Donnerstag, 21. Mai 2020

Review: Fiona Apple - Fetch the Bolt Cutter (2020)

2012 habe ich mich in Fiona Apple verliebt. Besonders die ausgesprochen clevere Zeile aus dem Lied "Anything We Want" vom Album "The Idler Wheel..." ist mir geblieben:
"My cheeks were reflecting the longest wavelength"
Liedzeilen die man erklären muss, sind oft nicht mehr ganz so gut, deswegen lasse ich die Zeile einfach einmal so stehen.

Acht Jahre später hat Fiona Apple endlich wieder ein neues Album ("Fetch the Bolt Cutter") veröffentlicht. Ich bin wieder verliebt wie beim ersten Mal. 

Besonders angetan hat es mir das Lied "Heavy Balloons" mit folgender Zeile, die in meinem Kopf immer wieder durchläuft: 
I spread like strawberries (I spread like strawberries) I climb like peas and beans (I climb like peas and beans)
Der Song ist erstaunlich kräftig für Fiona Apples Verhältnisse und doch sehr gelungen.


Dienstag, 5. Mai 2020

Microsoft Teams auf Ubuntu installieren (Mai 2020)

Erster Schritt: Debian Paket herunterladen.

Hier bekommst du das Paket von Microsoft.

Zweiter Schritt: Download-Ordner im Terminal öffnen

Entweder Download-Ordner öffnen, Rechtsklick, Terminal öffnen,

oder mit

cd /home/****/Downloads 

Pfad wechseln

Dritter Schritt: Paket installieren

sudo dpkg -i google-chrome-stable_current_amd64.deb
Natürlich den Dateinamen ggf. jeweils noch anpassen.

Vierter Schritt: Anmelden

Eigentlich selbsterklärend. Mit Email und Passwort, zum Beispiel der Schule anmelden.

Montag, 13. April 2020

Verschwörungsideolog*innen in der Corona-Krise

 Krisenzeiten sind Zeiten für Verschwörungstheorien. So habe ich das damals schon in meiner Masterarbeit zum antijüdischen Pestprogrom im mittelalterlichen Zürich im Februar 1349 festgestellt. In Krisenzeiten haben Menschen das grosse Bedürfnis Dinge erklären zu können und vor allem mit dem Finger auf die klare Ursache zeigen zu können.

Ich nehme mich da nicht aus, ich bemerke das bei mir selber auch. Trotzdem sollte man sich die Mühe machen, sich nicht auf solche Begierden einzulassen. Gerade bei der Bekämpfung einer Pandemie ist kritisches Denken und daher weder Kleinreden der Krise noch übertriebener Obrigkeitsgläubigkeit angemessen.

Folgender Gedanke ist mir in den letzten Tagen immer wieder durch meinen Kopf gegangen: Verschwörungsideolog*innen haben eigentlich einen sehr angenehmen Umgang mit der Krise. Sinken die Fallzahlen, kann man als Verschwörungsideolog*in einfach sagen, dass das ganze nur ein Manöver war, um die Menschheit zu versklaven, Bargeld abzuschaffen, die Impflicht einzuführen oder Babies in Adrenochrom zu verarbeiten. Eigentlich könnte man sich ja freuen, dass die schmerzhaften Massnahmen offenbar funktioniert haben. Falls die schlimmsten Befürchtungen eingetreten wären, hätte man etwas von Bevölkerungsreduktion oder sonstigen finsteren Plänen raunen dürfen. Für jedes Bedürfnis gibt es eine Verschwörungstheorie in irgendeiner Geschmacksrichtung. Alles ist mit dem eigenen Weltbild vereinbar. Die eigene Verschwörungstheorie bestätigt sich und gewinnt immer.

Und genau das macht Verschwörungstheorien so gefährlich. Irgendwie ist alles mit dem eigenen Weltbild vereinbar und es ist zumindest theoretisch möglich, dass tatsächlich böse Absichten hinter dem stecken was passiert. Daraus folgt aber eben nicht, dass die Verschwörungstheorie wahr ist.

Dienstag, 7. April 2020

Review: "Unorthodox (2020)" + Replik an Wolffsohn und Posener

 Die vierteilige Miniserie "Unorthodox" die seit kurzem auf Netflix zu sehen ist, basiert lose auf der Autobiografie von Deborah Feldmann. Esther "Esty" Shapiro wächst in Williamsburg, einem Stadtteil in Brooklyn in einer hassidischen Sekte auf. Die Gruppe ist der Überzeugung, dass die Shoa eine Strafe Gottes gewesen sei und man sich noch strenger an das Gesetz Gottes halten muss, um überhaupt eine Chance vor Gott zu haben. Gleichzeitig gibt es einen ganz drastischen Fokus darauf die "sechs Millionen wieder auszugleichen". Esty wird also mit 17 Jahren verheiratet, wird aber nicht sofort schwanger, was zu grossem Konflikt führt. Ihr Mann spricht sogar von Scheidung. Da Esty als Nachfahrin von deutschen Juden ein Recht auf einen deutschen Pass hat, lässt sie sich einen solchen ausstellen und geht nach Berlin. Dort geht das Drama erst richtig los.

Der Historiker Michael Wolffsohn schrieb in seiner Rezension zum Film folgendes:
Ich zweifele keine Sekunde daran, dass Deborah Feldman all das wirklich erlebt hat und ähnliche Ungeheuerlichkeiten in anderen orthodoxen Gemeinschaften, jüdischen und nichtjüdischen, geschehen, aber hier wird die Perversion der Religion als vermeintlich allgemeine Normalität der Religiosität dargeboten. Dass es jüdisch-innerreligiöse, auch innerorthodoxe Gegenargumente und Weltbilder gab oder gibt, können die Zuschauer einer solchen Darbietung nicht einmal ahnen, denn welcher Zuschauer könnte Estys Talmudzitat in die jüdische Tradition und Ethik einordnen?
 Wolffsohn kritisiert, dass den Zuschauer*innen der Anschein erweckt werden könne, das Judentum als ganzes wäre lustfeindlich und sexistisch. Ich kann diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. 

Spiegel TV müsste jeden Beitrag über wildgewordene Huonder-Katholiken im Bistum Chur mit dem Disclaimer versehen, dass nicht alle Katholik*innen so extrem durchgeknallt sind? Etwas mehr Verantwortung kann man den Zuschauer*innen schon zumuten. Und wer diesen Film so liest, dass das was dort gezeigt wird jüdische Normalität ist, denjenigen kann auch ein Netflix-Filmchen nicht weiterhelfen.

Etwas ist aber sowohl Wolffsohn und mir, unabhängig voneinander aufgefallen. Als Moische zurück zu seiner Familie kommt, spricht der Vater vom "verlorenen Sohn" und spielt damit auf ein Gleichnis aus dem Zweiten Testament an, etwas was ein gläubiger hassidischer Jude garantiert niemals machen würde.

Alan Posener, den ich sehr schätze, schreibt in seiner Rezension, dass antisemitische Klischees bedient werden. Zum Beispiel das ein Charakter als "Mithai" dargestellt wird, der einer "klammen Klavierlehrerin" das Leben schwer macht. Folgende zwei Gedanken dazu: Erstens, gilt man bereits als Miethai, wenn man jemanden auffordert endlich die Miete zu bezahlen, also wenn das bereits reicht Miethai zu sein, dann gute Nacht. Zweitens, selbst wenn wir mal diesen Standard anlegen: Der Onkel von Esty ist scheinbar so offen, dass es zu einem Tauschgeschäft kommt, sodass Esty Klavierunterricht nehmen darf und bei der Miete eine Lösung gefunden wird.

Posener kritisiert weiter, dass Berlin als Zufluchtshafen für Jüdinnen und Juden dargestellt wird. Damit bin ich ebenfalls nicht einverstanden. Erstens sind im Film neben Esty und ihrer Mutter, sowie eine Israelin und einem jüdischen Bordellbesitzer, nur vier Menschen mit einem mutmasslich jüdischen Hintergrund zu sehen, die tatsächlich Zuflucht in Berlin gefunden haben. Zweitens werden antisemitische Übergriffe in Berlin nicht direkt angesprochen, aber muss das ein Film unbedingt? Ausserdem wird das Thema zumindest indirekt angeschnitten. Moische und Yanky laufen ja nicht zum Spass mit Baseballmützen durch Berlin.

Alles in allem ist der Film durchaus sehenswert, Shari Haas hat mir als Esty sehr gefallen, ich bin gespannt ob von ihr noch mehr zu sehen sein wird.

Dienstag, 17. März 2020

Review: "Dawn of the Dead (1978)"

2017 ist der grossartige Regisseur George A. Romero verstorben. Die Welt verdankt ihm wahrscheinlich den besten Zombiefilm überhaupt, zumindest meiner Meinung nach: Dawn of the Dead.
Gerade im Lichte der Corona-Pandemie bin ich nicht der einzige, der sich diese Filme wieder einmal neu anschaut.
Interessant dabei ist, dass Romero bei der Entwicklung des Filmes eher daran dachte, die Konflikte um die knappen Ressourcen zwischen den lebenden Menschen in den Vordergrund zu heben. Dieses Szenario wurde im Film nur kurz aufgenommen.
Die Corona-Pandemie ist neben einer solchen fiktiven Zombie-Apokalypse natürlich harmlos. Trotzdem: Es gibt einige bemerkenswerte Parallelen. So scheint mir die Problematik der Medien gerade in Krisenzeiten im Intro des Films recht gut dargestellt. Zum einen hat man das Bedürfnis die Menschen zu informieren, gleichzeitig möchte man auch differenzieren, auch wenn es im Lichte einer Krise vielleicht besser wäre, auch einmal drastisch hinzuweisen, was auf dem Spiel steht. Der Umgang der Menschen mit einer solchen Krise ist entscheidend.
Zombiefilme leben meiner Meinung nach nicht von Gore oder Jump Scare. Der Horror eines guten Zombiefilmes ist vielmehr die Atmosphäre permanenter Angst und dauerndem Stress. Das schafft dieser Film wie kein anderer.

Dienstag, 17. Dezember 2019

Rückblick auf die Hinrunde 2019/20 des FC Wil



Die Rückrunde des Vereins war durchzogen. Gewisse Spiele haben grosse Freude gemacht, so zum Beispiel die klaren Siege (0:3, 4:0) gegen Winterthur, das 4:1 gegen Vaduz, aber auch ein 2:2 Unentschieden gegen Lausanne. Andere Spiele liessen mir die Haare zu Berge stehen, so zum Beispiel die 4:2-Niederlage auswärts gegen Vaduz, das nach einer 1:2-Führung doch noch verloren ging, aber auch das Spiel gegen Chiasso, dass ich nur per Liveticker mitbekommen habe. Drei Platzverweise und eine deutliche Niederlage gegen das mit Abstand schlechteste Team der Liga, sprechen eine klare Sprache.

Geblieben sind mir auch die seltsamen Interviews von Ciriaco Sforza. Nach der 2:1-Niederlage wurde er von Hallowil-Chefredakteur Simon Dudle nach dem "Warum" für dieser Niederlage gefragt. "Warum. Gute Frage. Warum." stotterte Sforza. Bereits vorher war für mich klar: Sforza gibt speziell unter Druck furchtbare Interviews, was aber seine Fähigkeiten als Trainer nicht schmälern sollte. Das Interview oben ist ein Beispiel für ein eher besseres Interview von Sforza.

Spielerisch macht die Mannschaft Lust auf mehr. Während die meisten Wil-Fans wohl zurecht von Filip Stojilkovic begeistert waren, ist für mich Bledian Krasniqi der beste Spieler der Hinrunde. Zusammen mit Duah ist er aus meiner Sicht der wichtigste Spieler für die überraschend gute Offensive der Wiler. Allgemein sind die vielen Jungen die unter anderem vom FCZ ausgeliehen wurden, pures Gold wert.

Montag, 29. Juli 2019

Review: "Long Shot (2015)"

Seht ihr die Chemie? Ich nicht unbedingt.
 Fred Flarsky (Seth Rogen) hat soeben seinen Job als Journalist aus Gewissensgründen gekündigt, da lernt er auf einer Party seine ehemalige Babysitterin Charlotte Field (Charlize Theron) kennen. Sie ist mittlerweile US-Aussenministerin und auf dem Absprung zur Präsidentschaft. Sie engagiert in der Folge Fred als Redenschreiber und es entwickelt sich bald eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Dieses ungleiche Paar muss natürlich zu lustigen bis ernsten Problemen kommen.

Der Film ist etwas durchschaubar. Er ist klar auf Menschen ausgerichtet, die in Ende 1980ern oder Anfang 1990ern geboren wurden Geschickt wurde Lisa Kudrow (Phoebe aus Friends) oder die RnB-Gruppe Boyz II Men platziert. Auch der Soundtrack wimmelt nur so von Songs aus den 1990ern.

Die Chemie zwischen Seth Rogen und Charlize Theron wurde von anderen gelobt. Ich bin mit diesem Urteil nicht ganz einverstanden. Ich glaube die beiden funktionieren zusammen, die Romantik zwischen den beiden wirkt aber manchmal ziemlich erzwungen.

Versteht mich aber nicht falsch, der Film ist sehr gelungen, hat einige gute Gags. Besonders gut hat mir gefallen, [SPOILER] als Fred bemerkte, dass sein bester Freund Republikaner und praktizierender Christ ist. Die Szene ist glaub ich geeignet dazu beizutragen, die tiefen Gräben in der politischen Landschaft etwas zuzuschütten. [/SPOILER].

8/10

Auf Amazon. (Ref-Link)

Dienstag, 26. Februar 2019

Leserbrief zu "Globuli gegen Hatschi"


Pixabay (rechtefrei)
 Die Wiler Zeitung hat heute einen unkritischen Artikel zu Homöopathie und Heuschnupfen publiziert. Deswegen habe ich einen kurzen Leserbrief geschrieben:

"Es ist bedenklich, dass es in der Wiler Zeitung zu einem Werbespot für Homöopathie kommt. Ich hätte ein paar kritische Fragen mehr erwartet. Die Wirkung von Homöopathie wurde bisher noch nie in doppelt blinden Studien belegt. Homöopathie ist daher keine 'Medizin' sondern Humbug. Selbst wenn die Mittel nur als Placebo genommen werden, sind sie immer noch viel zu teuer."

Dienstag, 9. Januar 2018

Rezension: Matthias Küntzel – Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg (2003)

Der Buchtitel.
Der Titel liess mich zuerst etwas die Stirn runzeln. Was soll das heissen "Über den neuen antijüdischen Krieg"? Inwiefern war der islamistische Terror gegen Juden etwas Neues? War der islamistische Hass gegen Juden nicht etwas was es bereits seit etwa 100 Jahren gab? Ich erinnerte mich dabei noch gut an die Lektüre von Abdel-Samads "Der islamische Faschismus" in dem sich der Autor mit der Verbindung von islamistischen Gruppen, insbesondere der Muslimbruderschaft und der nationalsozialistischer Ideologie beschäftigte.

Auch Küntzel widmete sich diesem Thema. Die Lektüre wies mich auf verschiedene Dinge hin, die ich vorher nicht wusste. So betonte Küntzel, dass im arabischen Lager die Haltung zum Zionismus in der Phase vor 1948 nicht eindeutig war. So war die ägyptische Regierung lange sympathisch gegenüber der Jewish Agency eingestellt und viele Araber*innen in Palästina versuchten sich mit den Zionisten zu arrangieren. Allgemein war die arabische Bevölkerung sowohl in Ägypten als auch in Palästina äusserst heterogen. Frauen zogen sich so verschieden an, trugen teilweise europäische Hüte um sich von der Unterschicht abzuheben.

Der Islamismus insbesondere derjenige der Muslimbruderschaft versuchte die Bevölkerung zu homogenen Verhalten zu zwingen argumentiert Küntzel. Mit Erfolg. Judenhass wurde von islamistischen Gruppen wie der Muslimbruderschaft und dem Mufti von Jerusalem stark propagiert unter der arabischen Gesellschaft. Israel ist gemäss dem Islamismus mit seinem Pluralismus das Gegenteil der islamistischen Gesellschaft. Küntzel kommt letztlich zum Schluss, dass Djihadismus und Antisemitismus untrennbar verbunden sind. So gelten in der islamistischen Ideologie die USA als "jüdisch kontrolliert" und Israel als "amerikanischen Fremdkörper" im islamischen Bereich.

Was mir wirklich geblieben ist, ist die Betonung von Küntzel darauf, dass der Judenhass der arabischen Welt keine Selbstverständlichkeit ist. Einzelne Akteure verbreiteten diese Ideologie ganz gezielt und wurden hier insbesondere vom Nationalsozialismus unterstützt. Küntzel unterscheidet sich stark von älteren Werken dadurch, dass er die Rolle des Mufti von Jerusalem anders betont. So bezeichnet Küntzel den Mufti explizit als Kriegsverbrecher dafür, was al-Husseini für eine Rolle beim Einsatz von muslimischen Truppen auf dem Balkan anging. Für Küntzel war der Mufti nicht nur ein kleines Rädchen im NS-Apparat, sondern hat sich aktiv dafür eingesetzt, dass die NS-Ideologie sich in der arabischen Welt einige Sympathisanten verschaffte. Fast wäre der Mufti vor dem Nürnberger Militärtribunal gelandet, das wurde aber verhindert. So konnte al-Husseini weiter aus seinem Exil in Ägypten gegen die jüdische Präsenz im Nahen Osten agitieren.

Geblieben ist mir auch, wie Küntzel Arafat beschrieb. So weist Küntzel darauf hin, dass die Grenzen zwischen dem Islamismus und dem "Befreiungskampf" der PLO z.T. keine grosse Unterschiede bestanden.

(Kurze Anmerkung: Ich habe den Text einen Tag nach der Lektüre verfasst. Den Text habe ich relativ schnell geschrieben, deswegen entschuldigen Sie bitte allfällige Flüchtigkeitsfehler. Ich wollte meine Lektüreeindrücke nicht für mich behalten.)

Sonntag, 19. November 2017

Babylon Berlin (2017-) Erste Staffel


Berlin in den 1920er-Jahren: Der Kölner Polizist Gereon Rath(Volker Bruch) kommt nach Berlin zur „Sitte“ um etwas aufzuklären, was zur Beginn der Serie etwas mysteriös ist. Es geht um Ermittlungen im Pornofilm-Millieu. Gleichzeitig gibt es den Fall eines geheimnisvollen Zuges aus der Sowjetunion, an dem viele geheimnisvolle Gruppen interessiert sind. Sowjets, Deutsche und Trotzkisten, alle verfolgen ihre Interessen. Berlin, das ganze Land, zerrissen zwischen Demokraten und Extremisten. Die Weimarer Republik hat nicht nur Freunde. Gleichzeitig ist Berlin das Zentrum der Goldenen Zwanziger. Überall spriessen die seltsamsten Nachtlokale aus dem Boden, der Drogenkonsum und die Prostitution gedeihen.
Es handelt sich bei der Serie mit dem genialen Titel „Babylon Berlin“ um die teuerste Serie des Deutschen Fernsehens. 40 Millionen Euro wurden in die Serie investiert, damit man mit Amerika mithalten kann. Prima facie mit Erfolg. Die Serie wird in den USA auf Netflix laufen. Die Zeit wird zeigen, ob die Serie auch synchronisiert in den USA Erfolg haben wird. Die Serie hätte es jedenfalls verdient.
Mir macht die Serie viel Spass. Extrem verrucht. Gleichzeitig keine Angst davor, auch sexuelle Szenen zu zeigen, wie amerikanische Serien. Die Freiheit des Deutschen Fernsehens scheint beneidenswert zu sein im Lichte der amerikanischen Selbstzensur.
Die Serie fängt meiner Meinung nach das Lebensgefühl der Weimarer Republik sehr gut auf. Berlin war, so scheint es, schon in den 1920er-Jahren das Mekka für Party und Exzess. Die Serie zeigt die Bandbreite von extremer Armut und Wohlstand gut auf. Auch die Arbeiter*innenbewegung wird thematisiert, vielleicht werden die Kommunisten etwas zu brav dargestellt.

Samstag, 18. November 2017

Review: "Baby Driver (2017)"

Kevin Spacey setzt Ansel Elgort unter Druck.
Baby (Ansel Elgort) ist ein Fluchtwagenfahrer für die von Doc (Kevin Spacey) geplanten Überfälle. Das kann Baby ausgesprochen gut und die Fluchten klappen immer vorzüglich. Bis zu diesem einen Überfall der nicht nur das Leben von Baby durcheinander bringt.

Der Film lebt von seinem starken Soundtrack und der gewohnt starken Körperlichkeit, die Edgar Wright in den Film bringt. Man kommt als Zuschauer*in während des Films kaum zur Ruhe. Ständig läuft irgendetwas nicht ganz so rund, überall lauern Überraschungen und dramatische Wendungen. Ansel Elgort liefert eine solide schauspielerische Leistung ab, die anderen Schauspieler insbesondere Jon Hamm ebenso. Es gibt eigentlich nichts zu meckern. Die Geschichte ist etwas mager, aber das ist bei solchen Action/Crime auch kaum anders möglich. Auf jeden Fall besser, als wenn bei solchen Filmen im Drehbuch stark aufgetragen wird. Was man dem Film auf jeden Fall auch zugute halten muss: Er bleibt recht realistisch und konsequent, wenn man von den halsbrecherischen Verfolgungsjagden etwas absieht.

Freitag, 17. November 2017

Zur "Bevormundung" durch die Sentience Initiative in Zürich

Ich muss mich mal auskotzen. Heute habe ich in Zürich die ersten Plakate gegen den Gegenvorschlag zur Sentience Politics Initiative gesehen, welche in öffentlichen Kantinen mindestens ein veganes Menü forderte, sofern es mehr als ein Menü gibt. Jetzt gibt nach dem Rückzug der Initiative es einen Gegenvorschlag, der auch die Ernährung in die 2000-Watt-Ziele aufnimmt. Ohne konkrete Massnahmen.
Mich nervt also grundsätzlich diese Behauptung, dass hier irgendjemand bevormundet wird. Was mich aber noch mehr stört ist diese ewige elende liberale Behauptung, es gehe beim Fleischkonsum oder eben eher -verzicht um eine (illegitime) Bevormundung. Für mich ist aber klar: Der Staat muss eingreifen um Schaden abzuwenden.[1] Ich finde, dass auch der Staat den massiven Schaden an nicht-menschlichen Tieren (den sogenannten "Nutztieren") soweit möglich verhindern sollte.
Ich sehe also weder eine Bevormundung beim Gegenvorschlag und fände als Liberaler Bevormundung in dieser Beziehung wenig problematisch.
-
[1]: John Stuart Mill in "On Liberty" dazu: "That the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilized community, against his will, is to prevent harm to others." (CW, XVIII, S. 223.)

Mittwoch, 6. September 2017

Review: "Patterson (2016)"

Wie "Paterson" es schafft den Entstehungsprozess eines Gedichts filmisch darzustellen, ist bemerkenswert.

Paterson (Adam Driver) ist ein Busfahrer in der Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey. Jeden Tag fährt er seinen Bus durch die Stadt und schreibt in der freien Zeit seine Gedichte in sein Notizbuch. Zuhause müht er sich mit seiner etwas skurillen Ehefrau Laura (Golshifteh Farahani) ab, geht mit seinem Hund Marvin spazieren und geht anschliessend in die immer gleiche Bar um ein Bier zu trinken.

Eine interessante Geschichte, dass Streamingdienste wie Netflix oder wie hier Amazon immer mehr Filme produzieren die auch noch gut sind (Negativbeispiel bei Amazon Studios ist wohl die Fortsetzung von "Zombieland"). Auch Paterson ist ein vortrefflicher Film, der sehr stark an Indie-Produktionen erinnert.

Der Film ist interessant, vor allem weil er unkonventionell ist. Vielfach glaubte ich zu wissen, wohin die Geschichte sich bewegt, wurde aber immer wieder überrascht.

Ausgezeichnet finde ich, wie die Gedichte, die Paterson verfasst, in den Film eingebunden werden. So etwas habe ich bei einem Film noch nie gesehen.

9/10

Der Film bei Amazon (Reflink)

Montag, 6. Februar 2017

Review: "Auf kurze Distanz (2016)"

Tom Schilling wieder einmal planlos in Berlin. Kennen wir doch!
Klaus Roth (Tom Schilling) ist ein Polizist der verdeckt in einer serbischstämmigen Wettbetrügerbande ermitteln. Er freundet sich dafür mit Luka Moravac (Edin Hasanovic) an. Die Beziehung wird so eng, dass es für das Ermittlungsverfahren schwierig wird.

Bei "Auf kurze Distanz" ist ein bitterböser Krimi. Ich denke, dass der Film erneut zeigt, dass Fernsehfilme ihren schlechten Ruf zu Unrecht haben. Der Film ist zwar einfach gemacht, die Atmosphäre ist gelungen. Der Film spielt zum Teil etwas mit Klischees, so finde ich beispielsweise den italienischen Mafiosi völlig seltsam.

Über die schauspielerische Leistung lässt sich ebenso nichts negatives sagen. Tom Schilling ist wieder einmal grossartig.

Die Geschichte ist gut geschrieben, ich möchte aber über die Geschichte nicht zu viel verraten. Aber der Film lohnt sich.

8/10

Donnerstag, 2. Februar 2017

Wie ich an einen Vortrag wollte, aber bei einem Gottesdienst landete

Israelische Fahnen im arabischen Viertel in Jerusalem im Februar 2015.
Die meisten Leute, die mich kennen dürften wohl wissen, dass ich mich sehr für jüdische Geschichte, aber auch Antisemitismus-Forschung und das Land Israel interessiere. Ich wurde auf einen Vortrag von Dr. Susanna Kokkonen in der "Lifechurch" in Rickenbach aufmerksam gemacht. Ich beschloss zu diesem Vortrag zu gehen. Es war auch die Gelegenheit mich mit einem weiteren Phänomen zu beschäftigen, was mich schon sehr lange interessiert, nämlich Freikirchen.

Also ging ich zu dieser Lokalität, etwas ausserhalb von Wil, wenige hundert Meter vom McDonalds entfernt, untergebracht im gleichen Gebäude wie eine Bowling Bahn. Es war, wie man sich dies von Freikirchen vorstellt. Man wurde zuerst einmal von jungen Begrüsser*innen in roten T-Shirts abgefangen. Zumindest versuchten sie das, was ihnen bei mir nicht gelang, glücklicherweise.

Zum Einstieg spielt die Lobpreisband fetzige religiöse Lieder auf Englisch. Die ersten Leute steigen aus ihren Sitzen, schliessen die Augen und strecken ihre Arme gegen den Himmel. So muss es Nicht-Fussballfans vorkommen, wenn sie mich bei einem Spiel des FC Wils sehen: Es ist etwas verstörend.

Der Raum ist immerhin mit einer Israelfahne dekoriert, ich fühle mich etwas mehr willkommen. Gleichzeitig frage ich mich, warum eine Fahne solche Gefühle in mir auslöst.

Der Pastor benutzt Jugendsprache aus den 1990ern, was mir auffällt, als er zum dritten Mal das Wort "mega" benutzt. Mir wird gleichzeitig aber immer mehr klar, dass ich hier an keinem wissenschaftlichen Vortrag gelandet bin, sondern an einem Gottesdienst. Der Pastor trägt die Monatslosung: "Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!" (Lukas 10,5) vor und spricht dann plötzlich über die neue Autobahnvignette, die man ab heute braucht. Seltsam!

Das Vorstellungsreferat für Susanna Kokkonen hält Hansjörg Bischof von ICEJ Schweiz. Er hält zuerst einmal fest: "Jerusalem ist die Hauptstadt Israels wie könnte es anders sein." In mir macht sich leichter Widerspruch bemerkbar. Klar, Israels Hauptstadt ist auch für mich Jerusalem, klar ist diese Feststellung alles andere. Sie ist höchst umstritten. Allgemein versucht Bischof die aktuellen Fragen rund um die geplante US-Botschaft in Jerusalem etwas zu umgehen. Er schneidet das Thema aber dennoch am Rande an.

Susanna Kokkonen kündigt er als Finnin an, welche in Holocaust Studies an der Hebräischen Universität in Jerusalem promoviert hat. Sie ist Leiterin der Christian Friends of Yad Vashem und Repräsentantin von Yad Vashem in Italien und den skandinavischen Länder. Sie ist aber gleichzeitig stark mit der International Christian Embassy in Jerusalem (ICEJ) verbunden. Bei der ICEJ handelt es sich um eine grosse christlich-zionistische Organisation, wie ich erst nach dem Vortrag feststellte.

In diesem Moment wundere ich mich, dass es Kokkonen nicht gestört hatte, die 45 Minuten von Gesang und Gebet über sich ergehen zu lassen. Da dämmert es mir, dass mir hier kein wissenschaftlicher Vortrag blüht, sondern ein Vortrag mit starkem christlichen Einschlag.

Kokkonen beginnt ihr Referat mit den Todesmärschen im Januar 1945. Ein eindrücklicher Einstieg auch für viele im Raum, die mit diesen Ereignissen nicht vertraut sind. Hinter mir sitzen Mädchen, die staunen, was ihnen da erzählt wird über die Dimension dieses Verbrechens.

Nun macht Kokkonen Rückgriffe auf die Offenbarung (Offenbarung 22,13: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.") und kommt von dieser Stelle zu einer Geschichtsphilosophie, die von einem klaren Anfang und Ende der Geschichte ausgeht. Und irgendwo dazwischen würde Auschwitz liegen.

Sie setzt bereits die biblische Erfahrung der Israeliten in Exodus 14 als die Ägypter der Israeliten töten wollen den Antisemitismus ein. Als Historiker war ich entsetzt, wie unkritisch sie die Bibel für ihre Argumentation verwendete. Aus meiner Sicht wäre es in Ordnung gewesen Exodus 14 als Selbstzeugnis der Juden zu lesen, die sich einem gewissen Vernichtungswillen ausgesetzt sahen. Als historische Quelle an sich eignet sich die Bibel sicherlich nicht.

Die Analyse des Antisemitismus von Kokkonen ist allerdings gut und sehr sauber. Sie weist auf die rassistischen Komponenten des Antisemitismus hin. Juden werden als Rasse verstanden, von der sie sich auch nicht mit einer Konversion zum Christentum retten können. Sie bleiben Juden. Kokkonen betont aber auch das irrationale Element des Antisemitismus an.

Als Beispiel bringt sie zuerst, was sie als "transferring the hatred" versteht. Sie geht auf das mittelalterliche Gerücht des Ritualmords ein, welches als Motiv in Karrikaturen heutzutage wieder auftaucht.

Kokkonen spricht damit das kontroverse Thema des "New anti-semitism" an, also den Antisemitismus in Bezug auf Israel, von dem bis heute viele Leute überzeugt sind, dass es sich hier gar nicht um Antisemitismus handelt.

Weiteres Beispiel: Im Sommer 2014 während der letzten Auseinandersetzungen in Gaza wurden gemäss Kokkonen teilweise die Zustände in Gaza mit dem Warschauer Ghetto verglichen. Gemäss Kokkonen unrechtsmässig. Sie geht aber nicht im Detail auf den Vorwurf ein. Jedenfalls ist klar, dass es in Gaza keine industrielle Vernichtung von Menschenleben gab und gibt.

Kokkonen fragt nun rhetorisch ob es sich bei Israel um einen Apartheidstaat handle. Die Antwort ist selbstverständlich nein. Ihre Ausführungen finde dazu finde ich sehr gut. Der Zionismus sei in den Augen einiger Personen eine exklusive Bewegung, also eine Bewegung, welche beispielsweise Araber*innen aussschliesse. Ergo sei es eine rassistische Bewegung. Kokkonen ist nicht dieser Meinung. Die Realität des Staates Israel zeige nämlich, dass Minderheiten in Israel stark geschützt sind. So haben die Minderheiten in Israel die selben Rechte, aber nicht die gleichen Pflichten wie die Juden. Araber*innen müssen zum Beispiel keinen Wehrdienst leisten.

Kokkonen fragt sich, ob das Gesetz der Rückkehr, dass allen Personen mit mindestens einem jüdischen Grosselternteil die israelische Staatsbürgerschaft garantiert rassistisch sei. Kokkonen weist darauf hin, dass ein Staat, der seine Zuwanderung nicht kontrollieren würde, zwangsläufig kollabierten würde. Eine provokative Äusserung, wie sie selber sagte. Ich würde diese Aussage sicher zurückweisen. Allerdings muss man hier auch sagen, dass dies die allermeisten Regierungen in der Welt tun und es die israelische Regierung insofern auch tun können sollte.

Kokkonen spricht anschliessend ein "Lieblingsthema" der evangelikalen Christen an. Die Christenverfolgung in den (das sagt Kokkonen explizit so) muslimischen Ländern rund um Israel. Trotzdem seien viele Kirchen gegen Israel eingestellt, obwohl nur in Israel die Christen so gut geschützt seien wie dort.

Schliesslich kommt es von Seiten von Kokkonen zu einer harschen Kritik an der internationalen Politik. Sie spricht die Unesco-Resolution vom letzten Jahr an, welche jegliche Verbindung des Judentums zum Tempelberg leugnet. Kokkonen dreht die Sachlage aber so, dass mit der Unesco-Resolution nicht nur die jüdische sondern auch die christliche Verbindung mit dem Tempelberg geleugnet wird. Ein recht neuer Gedanke. Die Überlegung ist aber klar: Christentum und Judentum gegen den politischen Islam. Eine aus meiner Sicht heikle Schlussfolgerung.

Kokkonen holt aber noch weiter aus. Die Unesco-Resolution sei keine Attacke gegen Israel, sondern gegen das Wort Gottes und somit gegen Gott selber. Wir (gemeint sind die Christen im Raum, also nicht ich) sollen für unsere Regierungen beten, damit es endlich besser für Israel wird.

Kokkonen erzählt von einer persönlichen Offenbarung die sie einmal bekommen hat, als sie zweifelte, warum sie sich für Israel einsetzte. Ich möchte mich jetzt hier nicht darüber lustig machen. Jedenfalls beendete sie ihren Vortrag mit einem Gebet, wofür wir alle aufstehen mussten. Das war mir zu blöd. Ich blieb sitzen.

Zum Abschluss tanzte noch eine Frau der Gemeinde mit einer Fahne zu Hatikvah, der israelischen Nationalhymne, die Praiseband spielte nochmals.

Der Gottesdienst war vorbei und ich war froh, im Wissen darum, dass der Anteil der Konfessionslosen in der Schweiz ständig ansteigt.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Kurzer Leserbrief zur erleichterten Einbürgerung der dritten Generation

Antwort zum Leserbrief im St. Galler Tagblatt vom 25. Januar 2017, S. 19:
[Name im eigentlichen Leserbrief enthalten] schreibt in einem Leserbrief zur erleichterten Einbürgerung der dritten Generation von sogenannter "sozialer Zuwanderung". Fakt ist: Der Gesetzestext schliesst explizit Sozialhilfeempfangende aus. Es handelt sich ausserdem um Personen die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind. Ob man Sozialleistungen bekommt hat nicht mit der Staatsbürgerschaft zu tun und das ist auch gut so. Im Übrigen kann ich die Stimmungsmache gegen Doppelbürger nicht nachvollziehen.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Solidarität mit Uğur Tütüneker!

Tütüneker im Jahr 2013. (Quelle: Ultraslansi, CC BY-SA 3.0, auf Commons.)
Gegen den ehemaligen Wil-Trainer Uğur Tütüneker wird in der Türkei ein politischer Prozess geführt. Tütüneker soll sich irgendwie am Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vom Juli beteiligt haben. Tütüneker soll in einer "Terrororganisation" Mitglied gewesen sein, die von Fethullah Gülen geführt werden soll und den Putschversuch angezettelt haben soll.

Für die Organisation gibt es keine stichhaltigen Beweise. Hinter der Organisation sollen gemäss Staatsanwälten die CIA und die USA stecken. Verschwörungsideologien als Staatsdoktrin.

Tütüneker ist freiwillig in die Türkei zurückgekehrt, obwohl die Schweiz ihn nicht ausliefern hätte müssen. Politische Delikte (mit Ausnahmen wie Völkermord, Flugzeugentführungen) reichen nicht für eine Auslieferung.

Die Rolle des FC Wils ist sehr unschön. Direkt nach dem Haftbefehl wurde Tütüneker entlassen. Das hätte nicht sein müssen. Es ist klar, dass die Clubführung, welche als  Erdoğan-nahe gilt, nicht verärgern wollten. Damit zeigt sich, dass Erdoğan autokratische Politik bis uns in die Schweiz reicht. Eine sehr bedenkliche Entwicklung.

Die Justiz in der Türkei ist nicht mehr unabhängig. Der Staatspräsident hat zahlreiche Staatsanwälte und Richter entlassen. Die, die noch im Amt geblieben sind, werden sicherlich nicht das Risiko eingehen den Zorn Erdoğans auf sich zu ziehen.

Tütüneker ist nicht der einzige, der unrechtsmässig verhaftet wurde. Zum Beispiel die Führung der drittgrössten Partei der Türkei, die prokurdische HDP sitzt im Gefängnis. Wer also denkt, dass es hier um einen rechtsstaatlichen Prozess gegen Putschisten geht, der/die irrt.

Deswegen gilt meine Solidarität ganz besonders dem ehemaligen Trainer des FC Wil Uğur Tütüneker, aber auch allen unschuldig angeklagten Menschen in der Türkei.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Review: "Payback (1999)"

Die Magnum bereits im Anschlag.
Porter (Mel Gibson) wurde um 70'000 Dollar geprellt. Diese möchte er zurück und tötet alles und jeden, was sich ihm in den Weg stellt, egal ob das die Triaden, ein grösseres Vebrecherkartell oder korrupte Polizisten sind.

In einschlägigen Datenbanken wird der Film als "neo-noir" bezeichnet. Ich denke diese Genrebezeichnung passt ausgezeichnet. Porter ist ein absoluter Antiheld und der Film strotzt nur so von Nihilismus.

Trotzdem ist der Film spannend und bietet gute Action. Auf der anderen Seite gibt es auch viel dunklen Humor. So wird Porter immer wieder gefragt, warum er diesen Raubzug wegen 130'000 Dollar macht. Porter korrigierte dann immer, dass es um 70'000 Dollar gehe, was die Umstehenden noch mehr verwundert.

Mel Gibson passt meines Erachtens sehr gut in die Rolle. Für mich spielt er den rauen Porter hervorragend.

8/10

Montag, 21. November 2016

Review: "Trumbo (2015)"

Dalton Trumbo (Bryan Cranston) in seiner kreativen Phase in der Badewanne: Bitte nicht stören!
Dalton Trumbo (Bryan Cranston) war ein bedeutender Drehbuchautor, er hatte aber ein Problem: Er war Mitglied der Kommunistischen Partei der USA. Zum Beginn des Kalten Krieges geriet er mit anderen Kollegen ins Visier des Komitees gegen unamerikanische Umtriebe. Sie sollten vor dem Kongress zu ihrer poltischen Einstellung aussagen. Trumbo und seine Kollegen, die später als "Hollywood Ten" bezeichnet werden, weigern sich mit verweis auf das First Amendment (Freie Meinungsäusserung etc.) darüber Auskunft zu geben. Sie werden wegen Missachtung des Kongresses verurteilt, der Supreme Court stützt dieses Urteil. Trumbo landet elf Monate im Gefängnis und wird danach auf der Schwarzen Liste geführt, auf welcher sogenannte "Rote" aufgelistet wurden, damit diese keine Job bekommen in der Unterhaltungsbranche. Der Film behandelt Trumbos Leben auf der Schwarzen Liste. Er schrieb jahrelang unter zahlreichen Pseudonymen. Zweimal bekam er so für ein Drehbuch sogar einen Oscar, ohne dass er dafür gewürdigt wurde.

Der Film ist trotz des ernsten Themas sehr unterhaltsam. Am besten hat mir John Goodmann als Frank King gefallen. Frank King war einer der Produzenten, die Trumbo die Drehbücher abnahmen, obwohl sie das offiziell nicht so machen konnten. Die Produktionsfirma von King (King Brothers) scheint recht viele Schundfilme produziert zu haben. Als Trumbo, ein gestandener Drehbuchautor, bei King im Büro auftaucht und King anbietet für ihn zu arbeiten, ist die erste Reaktion, dass er sich dies nicht leisten könne. Auf die Frage von Trumbo, wieviel das Drehbuch für den Film auf dem Plakat hinter King gekostet habe, sagt King 120 Dollar. Trumbo ist mit diesem Betrag einverstanden und der Spass beginnt. Trumbo produziert massenhaft Schund.

Der Film bietet einen guten Rückblick in ein Zeitalter des extremen Antikommunismus. Leider wird sehr wenig auf die politischen Inhalte von Trumbo und seinen Kollegen eingegangen. Aber ich glaube der Film zeigt dennoch, warum man sich auch bis in die bürgerliche Mitte gegen Berufsverbote aussprechen muss.

Mittwoch, 10. August 2016

Demobericht "Schlächthäuser schliessen!" in Bern im August 2016

Die traditionelle Demo des Vereins Tier-im-Fokus.ch fand dieses Jahr zum dritten Mal statt, wiederum in Bern. Die letzten beiden Male war die Demo ein Umzug gewesen. Dieses Mal war es eine Kundgebung an einem festen Ort, dem Bahnhofplatz in Bern, einem tollen Platz!

Die Demo war gekennzeichnet von vielen Reden, Aktionen und Auftritten. Dazu wurden regelmässig wieder Parolen gerufen. Es waren viele Gruppen sichtbar. Der Veranstalter TIF war natürlich mit einem Stand vertreten und brachte Literatur und Merchandise unter die Menschen. Gleiches taten die Vegane Gesellschaft Schweiz und die Tierrechtsgruppe Zürich. Präsent waren auch anarchistische Gruppen mit Transparenten und einer grossen Auswahl an Aufklebern. Aber auch die Organisation Pour l'Egalité Animale (PEA) war mit Aktivist*innen anwesend und machte auf ihre "Demo für das Ende des Speziesismus" aufmerksam. Anwesend war aber auch die Aktive Tierschutzgruppe Salez, wenn auch anfangs nicht offen. Dazu später.

In seiner kämpferischen Rede forderte Pablo Labhart (TIF) passend zum Thema die Schliessung aller Schlachthäuser, er hielt fest:
Unsere Bewegung wächst. Bei jedem Treffen hat es mehr Leute als zuvor. Und auch wenn ihr jetzt links und rechts schaut, seht ihr die verschiedensten Leute. Einige von euch sind noch in der Schule. Andere haben schon Grosskinder. Manche von euch verdienen ihr Geld als Koch, andere als Bauarbeiterin. Zu uns zählen Polygrafinnen, Musiker, Psychologinnen, Juristinnen, Werklehrer, Tierärztinnen, Informatiker und viele weitere.
In einer weiteren Rede kritisierte die nachdenkliche Meret Schneider (Sentience Politics/Junge Grüne) ihre eigene Partei, für die Umweltschutz auf dem Teller aufhöre. Sie zeigte sich aber auch innerhalb gewisser Strategien innerhalb der Tierrechtsbewegung skeptisch. So erachtet Meret Schneider eine Kommunikation im Stile von "Fleisch ist Mord!" nicht als sinnvoll, wenn man die Meinungen anderer (omnivorer) Menschen ändern möchte.
Hatte eine rosarote Brille an und erzählte etwas über Liebe: Raphael Neuburger.
Der Präsident der Veganen Gesellschaft Raphael Neuburger versprühte von der Bühne mit seiner Rede zum Thema "Liebe" gute Laune. Er schloss mit der Bemerkung, dass der Bewegung für den Effektiven Altruismus, welche er sehr schätzen würde, etwas mehr Liebe auch guttun würden.

Die letzte Rede des Tages hielt Georg Klingler (Greenpeace/Hof Narr). Er erweiterte den Fokus der Reden und sprach unter anderem über die Fische und bezeichnete die grossen Schleppernetze, der intensiven Fischerei als "Schlachthäuser der Meere".

Aktionen gab es zahlreiche. Es wurde wiederum das traditionelle "Die-In" durchgeführt. Die Teilnehmer*innen legten sich dafür auf den Boden und demonstrierten hiermit gegen den unnötigen Tod von so vielen Tieren.

Eine weitere Aktivität auf dem Platz war die "Menschenfleisch"-Aktion dazu legten sich hauptsächlich Frauen in Unterwäsche, kunstblutverschmiert in eine überdimensionierte Fleischschale, welche mit Frischhaltefolie fast komplett eingeschlossen wurde. Dazu wurde ein Schild "Menschenfleisch" mit einer Preisangabe angebracht. Die Botschaft war klar: Grausam bei Menschen, grausam bei Tieren. Die Aktion war unbestreitbar die Aktion mit der meisten Aufmerksamkeit. Hauptsächlich Männer standen mit weit aufgerissenen Augen und heruntergeklappter Kinnlade vor den Schalen und machten ein Foto von den regungslosen Köpern. Ich verzichte hier bewusst auf ein Bild dieser Aktion.

Einige kleine Kinder verstörte die "Käfig-Aktion". Hier wurden halbnackte Aktivist*innen (was sonst?!) in einen Käfig gesperrt und angekettet. Dazu schrien sie wie am Spiess. Im Nachhinein bezeichneten einige Teilnehmer*innen diese Aktion mir gegenüber als "heftig".


Die letzte Aktion beeindruckte mich am meisten. In der Schweiz werden statistisch pro Sekunde zwei Tiere umgebracht. Dazu stellten sich ein paar Aktivist*innen in einer Reihe auf und stellten einen Zähler dar.

Es kam auch zu sonderbaren Vorfällen. Beispielsweise spielte während der Demo YB gegen Thun, also das Berner Derby, ein ziemlicher Kassenschlager. Also stürmten auch eine kleine Gruppe an YB-Fans den Bahnhofplatz und skandierte lautstark "Ihr macht euch keine Freunde mit Salat!" unterhaltsam!

Von links nach rechts: Ein Bild von der Demo 2014, ein Bild vom 6. August ca. 18 Uhr und die Szene nach 21 Uhr. Die zwei TIF-Aktivisten sind mit roten Kreisen markiert.
 Nach 21 Uhr als sich die bereits oben genannte Tierschutzgruppe Salez auf den Nachhauseweg machte, wurde sichtbar, was sie auf der Rückseite ihres Schildes angebracht hatten und ich bereits vermutet hatte. Es war das berüchtigte Schild, dass bereits an der ersten Demo im Jahr 2014 von dieser Gruppe gezeigt wurde und die Shoa (den Holocaust) mit dem Leid der Tiere nicht nur verglich sondern gleichsetzte.* Es war eine reine Provokation, egal ob intentional oder nicht.

Rührend war der Einsatz zweier Aktivisten von TIF, die herzhaft einschritten, um das Plakat abzudecken.

Nichtsdestotrotz war die Demo abgesehen von diesem Vorfall ein grosser Erfolg. Wir haben es geschafft die Bevölkerung mit unseren Überzeugungen zu konfrontieren.

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* So interpretiere ich zumindest die Gleichheitszeichen auf dem Schild.

(Disclaimer: Der Autor ist Mitglied des Vereins Tier-im-Fokus.ch.)