Montag, 29. Juli 2019

Review: "Long Shot (2015)"

Seht ihr die Chemie? Ich nicht unbedingt.
 Fred Flarsky (Seth Rogen) hat soeben seinen Job als Journalist aus Gewissensgründen gekündigt, da lernt er auf einer Party seine ehemalige Babysitterin Charlotte Field (Charlize Theron) kennen. Sie ist mittlerweile US-Aussenministerin und auf dem Absprung zur Präsidentschaft. Sie engagiert in der Folge Fred als Redenschreiber und es entwickelt sich bald eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Dieses ungleiche Paar muss natürlich zu lustigen bis ernsten Problemen kommen.

Der Film ist etwas durchschaubar. Er ist klar auf Menschen ausgerichtet, die in Ende 1980ern oder Anfang 1990ern geboren wurden Geschickt wurde Lisa Kudrow (Phoebe aus Friends) oder die RnB-Gruppe Boyz II Men platziert. Auch der Soundtrack wimmelt nur so von Songs aus den 1990ern.

Die Chemie zwischen Seth Rogen und Charlize Theron wurde von anderen gelobt. Ich bin mit diesem Urteil nicht ganz einverstanden. Ich glaube die beiden funktionieren zusammen, die Romantik zwischen den beiden wirkt aber manchmal ziemlich erzwungen.

Versteht mich aber nicht falsch, der Film ist sehr gelungen, hat einige gute Gags. Besonders gut hat mir gefallen, [SPOILER] als Fred bemerkte, dass sein bester Freund Republikaner und praktizierender Christ ist. Die Szene ist glaub ich geeignet dazu beizutragen, die tiefen Gräben in der politischen Landschaft etwas zuzuschütten. [/SPOILER].

8/10

Auf Amazon. (Ref-Link)

Dienstag, 26. Februar 2019

Leserbrief zu "Globuli gegen Hatschi"


Pixabay (rechtefrei)
 Die Wiler Zeitung hat heute einen unkritischen Artikel zu Homöopathie und Heuschnupfen publiziert. Deswegen habe ich einen kurzen Leserbrief geschrieben:

"Es ist bedenklich, dass es in der Wiler Zeitung zu einem Werbespot für Homöopathie kommt. Ich hätte ein paar kritische Fragen mehr erwartet. Die Wirkung von Homöopathie wurde bisher noch nie in doppelt blinden Studien belegt. Homöopathie ist daher keine 'Medizin' sondern Humbug. Selbst wenn die Mittel nur als Placebo genommen werden, sind sie immer noch viel zu teuer."

Dienstag, 9. Januar 2018

Rezension: Matthias Küntzel – Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg (2003)

Der Buchtitel.
Der Titel liess mich zuerst etwas die Stirn runzeln. Was soll das heissen "Über den neuen antijüdischen Krieg"? Inwiefern war der islamistische Terror gegen Juden etwas Neues? War der islamistische Hass gegen Juden nicht etwas was es bereits seit etwa 100 Jahren gab? Ich erinnerte mich dabei noch gut an die Lektüre von Abdel-Samads "Der islamische Faschismus" in dem sich der Autor mit der Verbindung von islamistischen Gruppen, insbesondere der Muslimbruderschaft und der nationalsozialistischer Ideologie beschäftigte.

Auch Küntzel widmete sich diesem Thema. Die Lektüre wies mich auf verschiedene Dinge hin, die ich vorher nicht wusste. So betonte Küntzel, dass im arabischen Lager die Haltung zum Zionismus in der Phase vor 1948 nicht eindeutig war. So war die ägyptische Regierung lange sympathisch gegenüber der Jewish Agency eingestellt und viele Araber*innen in Palästina versuchten sich mit den Zionisten zu arrangieren. Allgemein war die arabische Bevölkerung sowohl in Ägypten als auch in Palästina äusserst heterogen. Frauen zogen sich so verschieden an, trugen teilweise europäische Hüte um sich von der Unterschicht abzuheben.

Der Islamismus insbesondere derjenige der Muslimbruderschaft versuchte die Bevölkerung zu homogenen Verhalten zu zwingen argumentiert Küntzel. Mit Erfolg. Judenhass wurde von islamistischen Gruppen wie der Muslimbruderschaft und dem Mufti von Jerusalem stark propagiert unter der arabischen Gesellschaft. Israel ist gemäss dem Islamismus mit seinem Pluralismus das Gegenteil der islamistischen Gesellschaft. Küntzel kommt letztlich zum Schluss, dass Djihadismus und Antisemitismus untrennbar verbunden sind. So gelten in der islamistischen Ideologie die USA als "jüdisch kontrolliert" und Israel als "amerikanischen Fremdkörper" im islamischen Bereich.

Was mir wirklich geblieben ist, ist die Betonung von Küntzel darauf, dass der Judenhass der arabischen Welt keine Selbstverständlichkeit ist. Einzelne Akteure verbreiteten diese Ideologie ganz gezielt und wurden hier insbesondere vom Nationalsozialismus unterstützt. Küntzel unterscheidet sich stark von älteren Werken dadurch, dass er die Rolle des Mufti von Jerusalem anders betont. So bezeichnet Küntzel den Mufti explizit als Kriegsverbrecher dafür, was al-Husseini für eine Rolle beim Einsatz von muslimischen Truppen auf dem Balkan anging. Für Küntzel war der Mufti nicht nur ein kleines Rädchen im NS-Apparat, sondern hat sich aktiv dafür eingesetzt, dass die NS-Ideologie sich in der arabischen Welt einige Sympathisanten verschaffte. Fast wäre der Mufti vor dem Nürnberger Militärtribunal gelandet, das wurde aber verhindert. So konnte al-Husseini weiter aus seinem Exil in Ägypten gegen die jüdische Präsenz im Nahen Osten agitieren.

Geblieben ist mir auch, wie Küntzel Arafat beschrieb. So weist Küntzel darauf hin, dass die Grenzen zwischen dem Islamismus und dem "Befreiungskampf" der PLO z.T. keine grosse Unterschiede bestanden.

(Kurze Anmerkung: Ich habe den Text einen Tag nach der Lektüre verfasst. Den Text habe ich relativ schnell geschrieben, deswegen entschuldigen Sie bitte allfällige Flüchtigkeitsfehler. Ich wollte meine Lektüreeindrücke nicht für mich behalten.)

Sonntag, 19. November 2017

Babylon Berlin (2017-) Erste Staffel


Berlin in den 1920er-Jahren: Der Kölner Polizist Gereon Rath(Volker Bruch) kommt nach Berlin zur „Sitte“ um etwas aufzuklären, was zur Beginn der Serie etwas mysteriös ist. Es geht um Ermittlungen im Pornofilm-Millieu. Gleichzeitig gibt es den Fall eines geheimnisvollen Zuges aus der Sowjetunion, an dem viele geheimnisvolle Gruppen interessiert sind. Sowjets, Deutsche und Trotzkisten, alle verfolgen ihre Interessen. Berlin, das ganze Land, zerrissen zwischen Demokraten und Extremisten. Die Weimarer Republik hat nicht nur Freunde. Gleichzeitig ist Berlin das Zentrum der Goldenen Zwanziger. Überall spriessen die seltsamsten Nachtlokale aus dem Boden, der Drogenkonsum und die Prostitution gedeihen.
Es handelt sich bei der Serie mit dem genialen Titel „Babylon Berlin“ um die teuerste Serie des Deutschen Fernsehens. 40 Millionen Euro wurden in die Serie investiert, damit man mit Amerika mithalten kann. Prima facie mit Erfolg. Die Serie wird in den USA auf Netflix laufen. Die Zeit wird zeigen, ob die Serie auch synchronisiert in den USA Erfolg haben wird. Die Serie hätte es jedenfalls verdient.
Mir macht die Serie viel Spass. Extrem verrucht. Gleichzeitig keine Angst davor, auch sexuelle Szenen zu zeigen, wie amerikanische Serien. Die Freiheit des Deutschen Fernsehens scheint beneidenswert zu sein im Lichte der amerikanischen Selbstzensur.
Die Serie fängt meiner Meinung nach das Lebensgefühl der Weimarer Republik sehr gut auf. Berlin war, so scheint es, schon in den 1920er-Jahren das Mekka für Party und Exzess. Die Serie zeigt die Bandbreite von extremer Armut und Wohlstand gut auf. Auch die Arbeiter*innenbewegung wird thematisiert, vielleicht werden die Kommunisten etwas zu brav dargestellt.

Samstag, 18. November 2017

Review: "Baby Driver (2017)"

Kevin Spacey setzt Ansel Elgort unter Druck.
Baby (Ansel Elgort) ist ein Fluchtwagenfahrer für die von Doc (Kevin Spacey) geplanten Überfälle. Das kann Baby ausgesprochen gut und die Fluchten klappen immer vorzüglich. Bis zu diesem einen Überfall der nicht nur das Leben von Baby durcheinander bringt.

Der Film lebt von seinem starken Soundtrack und der gewohnt starken Körperlichkeit, die Edgar Wright in den Film bringt. Man kommt als Zuschauer*in während des Films kaum zur Ruhe. Ständig läuft irgendetwas nicht ganz so rund, überall lauern Überraschungen und dramatische Wendungen. Ansel Elgort liefert eine solide schauspielerische Leistung ab, die anderen Schauspieler insbesondere Jon Hamm ebenso. Es gibt eigentlich nichts zu meckern. Die Geschichte ist etwas mager, aber das ist bei solchen Action/Crime auch kaum anders möglich. Auf jeden Fall besser, als wenn bei solchen Filmen im Drehbuch stark aufgetragen wird. Was man dem Film auf jeden Fall auch zugute halten muss: Er bleibt recht realistisch und konsequent, wenn man von den halsbrecherischen Verfolgungsjagden etwas absieht.

Freitag, 17. November 2017

Zur "Bevormundung" durch die Sentience Initiative in Zürich

Ich muss mich mal auskotzen. Heute habe ich in Zürich die ersten Plakate gegen den Gegenvorschlag zur Sentience Politics Initiative gesehen, welche in öffentlichen Kantinen mindestens ein veganes Menü forderte, sofern es mehr als ein Menü gibt. Jetzt gibt nach dem Rückzug der Initiative es einen Gegenvorschlag, der auch die Ernährung in die 2000-Watt-Ziele aufnimmt. Ohne konkrete Massnahmen.
Mich nervt also grundsätzlich diese Behauptung, dass hier irgendjemand bevormundet wird. Was mich aber noch mehr stört ist diese ewige elende liberale Behauptung, es gehe beim Fleischkonsum oder eben eher -verzicht um eine (illegitime) Bevormundung. Für mich ist aber klar: Der Staat muss eingreifen um Schaden abzuwenden.[1] Ich finde, dass auch der Staat den massiven Schaden an nicht-menschlichen Tieren (den sogenannten "Nutztieren") soweit möglich verhindern sollte.
Ich sehe also weder eine Bevormundung beim Gegenvorschlag und fände als Liberaler Bevormundung in dieser Beziehung wenig problematisch.
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[1]: John Stuart Mill in "On Liberty" dazu: "That the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilized community, against his will, is to prevent harm to others." (CW, XVIII, S. 223.)

Mittwoch, 6. September 2017

Review: "Patterson (2016)"

Wie "Paterson" es schafft den Entstehungsprozess eines Gedichts filmisch darzustellen, ist bemerkenswert.

Paterson (Adam Driver) ist ein Busfahrer in der Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey. Jeden Tag fährt er seinen Bus durch die Stadt und schreibt in der freien Zeit seine Gedichte in sein Notizbuch. Zuhause müht er sich mit seiner etwas skurillen Ehefrau Laura (Golshifteh Farahani) ab, geht mit seinem Hund Marvin spazieren und geht anschliessend in die immer gleiche Bar um ein Bier zu trinken.

Eine interessante Geschichte, dass Streamingdienste wie Netflix oder wie hier Amazon immer mehr Filme produzieren die auch noch gut sind (Negativbeispiel bei Amazon Studios ist wohl die Fortsetzung von "Zombieland"). Auch Paterson ist ein vortrefflicher Film, der sehr stark an Indie-Produktionen erinnert.

Der Film ist interessant, vor allem weil er unkonventionell ist. Vielfach glaubte ich zu wissen, wohin die Geschichte sich bewegt, wurde aber immer wieder überrascht.

Ausgezeichnet finde ich, wie die Gedichte, die Paterson verfasst, in den Film eingebunden werden. So etwas habe ich bei einem Film noch nie gesehen.

9/10

Der Film bei Amazon (Reflink)