Montag, 4. November 2013

Platons „Der Staat“ in „Man of Steel“



Gerade bin ich zusammen mit einer Lesegruppe an der Lektüre von Platons Staat. Dann wies mich einer meiner Kollegen auf den Zusammenhang mit Man of Steel und der platonischen Staatsvorstellung hin.
Platons Staat sollte in drei Teilen aufgeteilt sein. (1) Die „Goldenen“, also die Herrscher, (2) den „Silbernen“, den Kriegern oder Wächtern und (3) den „Eisernen“, den Handwerkern.
Nun ist Krypton (also der Planet von dem eben Kal-El oder eben „Superman“ stammt) ein Beispiel für Platons Idealstaat. Es gibt die Herrschenden, erkennbar am Gold-Schmuck. General Zod ist einer der Silbernen. Er gehorcht den Herrschenden grundsätzlich und das „General“ in „General Zod“ (worauf er sehr wert legt) deutet darauf hin, dass er eben ein Krieger ist.
Was ist nun aber Kal-El? Sein Vater (Jor-El) scheint sehr gut mit den Händen zu arbeiten zu können, als er alles arrangiert um seinen Sohn vor der Katastrophe zu retten. Wir können davon ausgehen, dass die ganze El-Familie zu den Eisernen gehört. Für diese Einteilung spricht auch der Beiname (und Titel des neuen Films) von Kal-El bzw. Superman, nämlich „Man of Steel“. Wahrscheinlich ist es Zufall, dass Superman diesen Namen hat, denn er stammt, soweit ich weiss, aus der frühen Phase, als man sich noch keine solchen Gedanken zu Ethik und Superhelden gemacht hat.
Damals waren die Superman-Comics und auch die Superman-Filme aus den 1970ern und 1980ern mit Christopher Reeve, eigentlich nur Unterhaltung. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Der Trend zu immer mehr Gedanken hinter den ganzen Konzepten von Superhelden ist ja erst in den letzten zehn Jahren entstanden, besonders seit der Batman-Trilogie von Christopher Nolan.
Nun aber zurück zu Platon. Sind diese Strukturen Zufall? Ich glaube nicht. Ein Indiz dafür ist sicherlich der Titel des Films, der relativ ungewöhnlich ist, aber insbesondere die Szene in der der junge Clark Kent (also Superman) gemobbt wird und dabei eine Ausgabe von Platons Staat in der Hand hält. 

Ausserdem ist immer davon die Rede, dass jeder seine Aufgabe erledigen soll, die man in der Seele trägt. Das ist ein platonisches Ideal, das sich diametral zu dem verhält, was wir in unserer liberalen Gesellschaft favorisieren, nämlich Selbstbestimmung. Superman ist auf der Erde aufgewachsen, fühlt sich daher mit den Menschen und ihren Träumen verbunden.
Ein Ausdruck dieser kryptonischen bzw. platonischen Gesellschaft, ist beispielsweise die Geburtenkontrolle auf Krypton. Es werden neue Kryptonier geschaffen, wenn sie gebraucht werden und zwar genau für einen Zweck, der vorher bestimmt wurde.
Aber es ist natürlich klar, dass Superman als Kal-El (der Kryptonier) und Clark Kent (der Erdling) irgenwie total zwischen den Stühlen sitzt. Darum geht es ja auch gerade im Film, da möchte ich auch gar nicht zu stark vorgreifen.

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