Sonntag, 21. Juli 2013

Das "Centre for Consumer Freedom" (CCF) - eine kritische Betrachtung

Einige haben vielleicht den Film "Thank You For Smoking" gesehen, bei dem es um einen Tabak-Lobbyisten geht, der alles und jeden in den Boden argumentiert.
Gibt es heute solche Lobbyisten in Wirklichkeit, die die Leute gezielt verblenden wollen? Ja, gibt es. Eine davon, nämlich das US-amerikanische Center for Consumer Freedom (kurz: CCF), möchte ich hier vorstellen.

Selbstverständnis

Die Organisation sieht die Konsumentenfreiheit (consumer freedom), die sie in ihrem Namen tragen folgendermassen:
Consumer freedom is the right of adults and parents to choose how they live their lives, what they eat and drink, how they manage their finances, and how they enjoy themselves. (Quelle)
Also zusammengefasst: Scheiss auf die Ethik, es lebe der pure Hedonismus. Alles ist erlaubt, solange es gefällt. Fast schon anarchistische Züge nimmt das an ;-)
Jeder darf tun, was er will, er muss aber auch die Konsequenzen dafür tragen. Davon spricht CCF, soweit ich das beurteilen kann nicht.
Ersichtlich wird dieser Aspekt auch bei der Antwort zu der Frage, ob das CCF etwas gegen Vegetarier hat:
Of course not. Everyone should have the right to make his or her own choices about what to eat and drink, whether it’s a garden salad and bottled water, or a prime rib steak and a cocktail. We respect your personal choices, and we expect the same in return. (Quelle)
Ich meine immerhin hat man den Tod eines Lebewesens auf dem Gewissen, wenn man etwas Fleisch isst. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Geldgeber

Geldgeber sind (Auswahl):
  • Anheuser-Busch (Bier: Bud, Beck's, Leffe, Stella Artois)
  • Cargill (Lebens- und Futtermittelverarbeiter: ua. Fleisch)
  • Davidoff (Zigarren)
  • Phillip Morris/Altria Group (Zigaretten und Weine: Malboro, Merit etc.)
  • Coca Cola (Getränke)
  • Wendy's (Fast Food)
  • Monsanto (Gentech, Pestizide, Aspartam)
  • diverse weitere Firmen die ua. Fleisch verarbeiten
    Quelle: Wikipedia: CCF#Funding

Aktionen

  • Activistcash.com: Zeigt auf, dass zum Beispiel die CREW (Citizens for Responsibility and Ethics in Washington) von "left-wing" Organisationen finanziert wird. Dreist und böse, wenn man bedenkt, dass der CCF seine Geldgeber auch nicht offenlegt.
  •  Animalscam.com: Zeigt auf, dass PETA und andere Tierrechtsorganisationen, Extremisten seien. Diese Einschätzung ist sicherlich richtig. Doch da:
    Led by PETA, the Humane Society of the United States, and other activist groups, the animal liberation movement does not seek to improve animals' lives. Its goal is to place unnecessary restrictions on ordinary people like you. (Quelle)
    Jeder der sich ernsthaft mit Tierrechten beschäftigt, wird den Kopf schütteln. Tierrechtsorganisationen geht es nicht darum, den Tieren zu helfen, sondern nur den Menschen Regeln (restrictions) aufzuzwingen. Falsch, schlichtweg falsch.
  •  Humanewatch.org: Diese Website stellt sich folgender Frage:
    Is the Humane Society of the United States all good? All bad? The truth probably lies somewhere in between. And there are many conflicting assessments of its performance. (Quelle)
    Soweit ich weiss ist die Humane Society eine gemässigte Tierschutzorganisation. Auch hier versucht die CCF, offenbar sehr gut recherchiert, Spenden unter die Lupe zu nehmen. So wird ein verurteilter Hundekampfveranstalter als "guter Tierhalter" bezeichnet, nachdem die HSUS 50'000 Dollar Spenden bekommen hat. (Quelle)
    Das ist schade, aber ändert nicht an der an sich guten Arbeit dieser Organisation. Mutmasslich legt die HSUS die Spenden offen mit der das CCF dann über diese Spenden bescheid wusste. Eigentlich echt dämlich. Wenn sie ihre Spenden nicht offenlegen würden, könnten die vom CCF zwar nicht mehr sogenannte "Spendenskandale" aufdecken, aber die HSUS kritisieren für eine Praxis die es selber praktiziert. Schräg.  
  • ObesityMyths.com: Auf dieser Website werden Mythen mit dem Übergewichtsproblemen der USA, welches übrigens nicht geleugnet wird, angeblich entkräftet.
    So wird behauptet, dass Übergewicht nicht die Lebenserwartung senkt. (Quelle) Ich glaube schon, dass dies der Fall ist und selbst wenn es nicht so ist, werfen wir vielleicht mal einen Blick auf die Folgeerkrankungen von Übergewicht, die das Leben, wenn nicht verkürzen, immerhin ziemlich unerträglich machen können. 
  • PetaKillsAnimals.com: Das ist die Website, die mich erst auf die Spur des CCF gebracht hat. Es gibt auch eine deutsche Website zu dem Thema: Petatoetettiere.de. Ich will mich da jetzt nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, weil ich das Thema nicht derart gut kenne. Ich stehe den Praktiken von Peta (also genau genommen ist es ja Peta USA) skeptisch gegenüber. Hier mal eine Stellungnahme von Peta Deutschland zum Thema. Grundsätzlich kann man die Argumentation zusammenfassen: Es gibt zu viele Haustiere, sie sind nicht vermittelbar, sie sind krank, wir müssten mehr Kastrationen und die finanziell interessante Zucht unterbinden. Ausserdem kritisieren sie die Grundhaltung des CCF, wie ich es hier tue.
    Ich kann die Argumentation teilweise verstehen, es ist einfach echt scheisse. Die 25'000 Tiere statt sie zu töten aufzunehmen ist sehr schwierig, wäre aber wohl besser gewesen für das Image.
  • SweetScam.com: Hier wird über Zucker und Süssstoffe Blödsinn erzählt. Man kann es nicht anders sagen.
    Some people mistakenly believe that some sweeteners are healthier than others. But the facts don't add up. Whether it’s sugar from cane, beets, or corn, all sweet treats have the same number of calories. (Quelle)
    Das kommt eben sehr drauf an, wie man "gesünder" versteht. Dass sie alle gleich viele Kalorien haben, stimmt schon. Aber, es geht ja auch darum, ob sie vielleicht noch Mineralstoffe drin haben, wie zum Beispiel bei Melasse. (Quelle) Das Gleiche gilt für Rohrzucker. (Quelle)

Personen

Der Kopf des CCF ist Rick Berman. Er leitet auch weitere Organisationen neben dem CCF:
  • The American Beverage Institute (ABI) The ABI fights laws designed to curb drunk driving—in part by claiming that even a blood alcohol level of 0.08 is within the realms of responsible, social drinking.
  • The Employment Policies Institute (EPI) The EPI is opposed to raising the minimum wage, particularly in the labor-intensive restaurant industry. It promotes the specious concept that an increased minimum wage would drive the poor and uneducated out of the job market.  (Quelle)
Da hätten wir also eine Organisation, die sich gegen die Erhöhung des Mindestlohns, besonders im Gastronomie starkmacht und eine Gruppe die sich für Trinken am Steuer (überspitzt gesagt) starkmacht. Böse, böse.

Schlussbetrachtung

Das CCF ist eine Organisation, welche sich dafür einsetzt, dass Leute kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen und die Konzerne schön ihren Profit einstecken können. Vor allem ist es so offensichtlich manipulativ, dass es mich wirklich traurig macht. Sie kritisiert Organisationen für ihre Spendenpolitik, die sie offensichtlich selber nicht gerade sauber führen.
Dem CCF sind Tiere eigentlich ziemlich egal. Sie sind nur ein Mittel zum Zweck die Leute dazuzubringen weiter schön ihre Produkte zu kaufen und gar nicht über deren Folgen auf Gesundheit und die Tiere zu achten.
Der Konsument IST frei, aber nur, wenn eine Diskussion beispielsweise nicht oberflächlich über Tierrechte geführt wird. Schlussendlich kann jemand Fleisch essen, wenn er sich auf eine offene Diskussion mit einem überzeugten Vegetarier/Veganer eingelassen hat, aber nicht, wenn der Omnivore wegen dem "Peta tötet"-Thema gar nicht über Tierrechte reden will.

Ebenso unglaublich sind die Verbindungen des CCF zu anderen Lobby-Organisationen mit zum Teil absurden Forderungen.
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