Montag, 27. Januar 2014

Spezies nur Konstrukt? (Diskussion)

Zitat:
es ist ein natürliches konstrukt...

Also irgendwie hast du recht. Aber diese Einteilung dient einem Zweck. Man kann diese Grenze auch zwischen Frauen und Männer ziehen und behaupten, dass sie okay ist, weil sie "natürlich" ist. Warum teilt man Menschen nicht nach ihren Augenfarben ein und schreibt ihnen Rollenbilder zu? Das ist doch auch "natürlich" aber irgendwie trotzdem absurd...

Zitat:
das der moderne mensch so verwöhnt ist, um sich gedanken da drüber zu machen, was tiere fühlen können oder wie ihre stellung auf dem planeten ist, sein soll, ist dagegen lediglich ein philosophisches konstrukt geboren aus dem abgleiten dieser rangordnung hinein ins perverse - und genau das gilt es zu hinterfragen

Man soll doch tun was man kann! Alles andere macht keinen Sinn. Aber es ist doch echt möglich auf Fleisch komplett zu verzichten. Es kann mir niemand erzählen, dass er das braucht.

Zitat:
der löwe fragt sich schließlich auch nicht ob es moralisch gerechtfertigt ist, eine antilope zu reißen um die familie zu ernähren!

Klar. Aber wir Menschen sind nicht auf Fleisch angewiesen.

Zitat:
halte ich als pauschale aussage zur alternative "bio" für ein gerücht! du verstehst das auch falsch - es geht nicht da drum, tiere auf eine stufe mit dem menschen zu stellen und sie so vor dem schlachter zu bewahren, da kannste dich noch so bemühen, das wird es nicht geben!

Du hast eine derart fatalistische Einstellung manchmal. Mir ist klar, dass ich nicht verhindern kann, dass Fleisch konsumiert wird. Konnten denn die Abolistionisten die Sklaverei komplett abschaffen? Weitestgehend, aber sicherlich nicht komplett. Mein Ansatz hat den gleichen Anspruch.

Zu Bio: Also ich habe nicht gesagt, dass Bio keine gute Sache ist. Ich finde es einfach total dumm damit in eine tierethische Diskussion zu gehen. Denn über die Tierhaltung an sich sagt Bio direkt nicht viel.
Bio kann ein Teil der Lösung sein, denn viele Label verbieten zum Teil Flugtransporte, propagieren eine nachhaltige Wassernutzung. Aber eben nicht alle! Es lohnt sich hinzuschauen. Deswegen freut es mich, dass bald die EG-Verordnung zu Bio verstärkt wird.

Zitat:
moral ist dabei nicht der maßstab, das ist naive studentenideologie von einer welt in utopia! unsere welt könnte nicht funktionieren, wenn moral über allem schweben würde, unsere welt wäre nicht so modern, wenn das moralische handeln über allem stehen würde, ich würde sogar so weit gehen und behaupten, das die menschheit schon lange ausgestorben wäre, wenn moralisches denken und handeln unangreifbarer maßstab wäre! das wäre sicherlich sehr schön, beißt sich aber nunmal mit der bitteren realität, dass das tier unter dem menschen steht und deswegen genutzt wird, wie der mensch auch die natur zwecks überleben nutzt!

Das behauptest du jetzt einfach... Die Abolitionisten wurden auch ausgelacht, als sie von einer Welt ohne Sklaverei geträumt haben. Auch von Reformern musste man viel Häme einstecken. Ich würde dich auch als so einen Reformer einordnen. Ich bin der Überzeugung, dass man die Tierhaltung nicht reformieren kann und auch nicht muss, weil es so viele Alternativen dafür gibt, die gesünder, umweltfreundlicher und besser für die Grundnahrungsmittelpreise sind.

Zitat:
in wie weit macht denn das schlagen/streicheln von hunden die menschen satt? du verstehst die dynamik, die grundlage gar nicht!

Darum geht es ja. Fleisch ist nicht nötig um satt zu werden. Fleischkonsum ist (zumindest in unseren Breitengraden) ein völlig triviales Interesse. Du ignorierst die vitalen Interessen der nicht-menschlichen Tiere die du konsumierst. Das geht einfach nicht! Egal wie wenig du das machst. Es ist einfach falsch dein Interesse nach einem Gaumenschmaus, über die Interessen von einem Tier, ein Leben zu führen und angenehm zu sterben.
Im Grunde nimmst du den Menschen in der dritten Welt sogar noch ihr Essen weg, wenn du Fleisch konsumierst.

Zitat:
schopenhauer spricht im rahmen von "seiner" tierethik öfters von der "triebfeder mitleid" um tiere mit in den schutz des gesellschaftlichen moralsystems zu nehmen! ich unterstelle einfach mal, an dem punkt bist du angekommen und setzt es vorbildlich in deinem leben um, so entnehme ich es zumindest deinen aussagen...

Schopenhauer in Ehren, aber das ist nicht mein Ansatz. ;-) Ich finde es pervers, dass die Grenze für Berücksichtung vitaler Interessen parallel zur Speziesgrenze verläuft.

Es gibt keinen Beleg dafür, warum Menschen über nicht-menschlichen Tieren stehen sollen, nur weil sie der Spezies Mensch angehören. Das ist das selbe wie wenn man sagt, dass Leute aus der Schweiz im Durchschnitt mehr IQ haben und deshalb mehr Studienplätze zugesprochen bekommen. So eine Einteilung ist doch nicht seriös. Wenn man das schon macht, dann müssten konsequenterweise ja praktisch die Intelligenten über die Dummen herrschen. Das will ich definitiv nicht.

Ich fordere Gleichheit! Nicht im Sinn von "alle sind gleich", denn jeder ist anders, ist intelligenter oder schmerzempfindlicher. Wir müssen doch überall den gleichen Massstab anwenden und nicht bei Menschen mit einem anderen messen, dann bei Wildtieren wieder einen anderen und bei Nutztieren schon wieder einen anderen. Das will ich...

Hier noch eine Grafik von Marc Bekoff, der da wunderbare Arbeit geleistet hat.
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