Dienstag, 1. Oktober 2013

Rezension: Klaus Petrus: Tierrechtsbewegung



Klaus Petrus beschäftigt sich mit der Geschichte der Bewegung, legt besonders Wert auf die Ursprünge im 19. Jahrhundert, was insofern besonders ist, weil heute in vielen theoretischen Einführungen steht, dass die moderne Tierrechtsbewegung erst in den 1970er-Jahren entstanden ist. Das ist zumindest teilweise richtig, aber schon um die Jahrhundertwende machte man sich Gedanken zu Vegetarismus und Veganismus und damit der Frage um die richtige Strategie. In den siebziger Jahren stiegen dann die Gelehrten in die Diskussion ein. Nennenswert ist sicherlich das Werk „Animal Liberation“ von Peter Singer aus dem Jahr 1975.
In den Achtzigern wird die Bewegung immer besser organisiert. Es entstehen überall Ableger der radikalen Animal Liberation Front (ALF) oder 1981 wird PETA gegründet. Man macht medienwirksam Fotos und Videos der verschiedenen Aktionen. Man spricht auch von einer „Zweiten Welle“ in Bezug auf die Tierethik. Die Rechte-Theorie von Regan und die utilitaristische Herangehensweise von Singer wurden vermischt oder konkurriert von herrschaftskritischen Überlegungen wie den Abolitionismus.
Interessant ist auch Petrus grobe dreiteilige Ordnung der Bewegung:
1.       Tierschutz
2.       Tierrechte
3.       Tierbefreiung
Es gibt m.E. kein vergleichbares Werk in dieser Prägnanz auf dem deutschsprachigen Markt. Auf ca. 80 Seiten die Tierrechtsbewegung und all ihre Facetten zu beleuchten ist, sehr schwierig, aber es ist Klaus Petrus gelungen. Das Buch lässt sich sehr gut lesen und ist gut gegliedert.
Als Utilitarist, der von Peter Singer für den Speziesismus sensibilisiert wurde, bin ich mit dem neutralen Umgang mit den verschiedenen Theorien zufrieden. Viele Autoren können sich es nicht verkneifen, den Utilitarismus bei solchen Einführungen zu problematisieren.
 
Tierrechtsbewegung: Geschichte | Theorie | Aktivismus
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