Mittwoch, 13. August 2014

"Fragwürdiger politischer Ansatz": Mails zu Politik und die Wiler Fans

Das besagte Spiel (von FB-Seite "Schweizer Kurvenkultur")

Es geht hier um einen Artikel auf dem Groundhopping-Blog "Fusseck", vom Spiel Wohlen gegen Wil. So schreibt der Autor über die Wiler Fanszene:
Auch Wil brachte einige Supporter mit, namentlich die “Sektion K.O.M.A”, die ich bereits in Winterthur erleben durfte. Ein paar Hanseln, die aufgrund der eigenen Position kaum bis gar nicht zu vernehmen waren. Auf dem Weg aus dem Stadion traf ich noch einige der Sektion auf dem Parkplatz. Naja, menschlich wohl eher die stumpfsinnigere Sorte mit fragwürdigem politischen Ansatz (keine Politik, und so…), wobei ich nichts unterstellen will, was ich nicht weiss. Allerdings gibt es Probs für das Tifo-Material der Wiler, welches wohl zu den schöneren in der Challenge-League zu zählen ist und auch das ganze Spiel über oft im Einsatz war. Desweiteren existiert die Gruppe bereits seit 2005, was für eine Gruppierung eines Vereins wie dem FC Wil in meinen Augen beachtlich ist.
Ich entschloss mich daher spontan eine Mail zu schreiben, worauf ich auch eine Antwort erhielt.

Meine Mail:
Hallo Benjamin,

Es geht um den Blogartikel zum Spiel Wohlen gegen Wil. Ich schreibe Dir, nicht um mich zu beschweren, sondern eher ein paar Sachen richtig zu stellen.
 Zuerst einmal möchte ich Dich für Deine grundsätzliche Einstellung zu Homophobie, Sexismus und Rassismus loben. Ich teile diese Überzeugungen und muss gleichzeitig zugeben, dass diese Überzeugungen nicht von allen in der Wiler Fanszene (zumindest nicht in diesem Ausmass) geteilt wird.

Ich ärgere mich aber daran, dass du die Wiler Fanszene mit der Sektion Koma gleichsetzt. Nichts Grundsätzliches gegen die SK05, aber ich finde man sollte erwähnen, dass die Wiler Fans noch mehr Fangruppierungen haben, die auch anwesend waren.

Bei der besagten Szene auf dem Parkplatz war ich auch dabei. Du musst auch verstehen, dass man nach ein paar Bierchen, unglaublicher Hitze und einer unangenehmen Niederlage nicht mehr über tiefgründige Diskussionen über  Philosophie oder den letzten Themenabend bei Arte. Ich bin jedenfalls sicher menschlich sicherlich nicht stumpfsinnig oder ähnliches.

Ich arbeite selber an einem Blog (www.johleut.blogspot.ch) und möchte daher fragen, ob ich allfällige Korrespondenz (vielleicht auch nur auszugsweise) veröffentlichen könnte.

Falls Du noch Fragen oder ähnliches hast, schreib mir einfach. Ich bin Dir nicht böse oder so. Unter uns gesagt hat Wil auch ein bisschen ein Problem mit Rassismus und Homophobie, aber eben...

Gruss, Johannes

Die Antwort:
Sali Johannes

 Erst einmal finde ich super, dass du mir aufgrund des Artikels schreibst und dass du derart vehement abstreitest, dass die Wiler Fanszene von diskriminierendem Gedankengut durchzogen ist zeigt mir, dass es eben nicht so ist.

Du hast natürlich Recht und mit meinem Artikel wollte ich bei weitem nicht die gesamte Fanszene des FC Wil verunglimpfen. Ich habe lediglich geschildert, was mir anhand dessen, was ich gesehen habe, aufgefallen ist. Und ich schreibe ja auch davon, dass es beim FC Wohlen leider nicht anders ist. Wie du sicher weisst bin ich deutscher und in Deutschland mit vielen Fanszenen in Kontakt, die sich alle gegen Diskriminierung jeglicher Art positioniert haben und dies auch offen im Stadion äussern und diese Denkweise auch verinnerlicht haben. Leider habe ich in der Schweiz bisher völlig andere Erfahrungen gemacht. Zwar gibt es hier keinen extremen Rechtsdrall, allerdings sind rassistische, aber vor allem sexistische und homophobe Äusserungen in den hiesigen Stadien absolut "normal" und salonfähig. Das stösst mir übel auf, nicht nur beim FC Wohlen, wo ich dem in Zukunft vehement entgegenarbeiten werde. Mein Ziel ist es auch mittelfristig verschiedene Fanszenen im Kampf gegen Diskriminierung an einen Tisch zu bringen und so eine Art Netzwerk aufzubauen.

Bitte entschuldige nochmals, wenn es im Artikel so rüber kommt, als wäre er auf alle Fans des FC Wil bezogen. Dem ist nicht so. Vielmehr bezieht er sich auf das, was ich auch von der Internetseite der Sektion K.O.M.A. weiss, auf der sich die Gruppe gegen Politik im Stadion ausspricht. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass auch "rechtes" Gedankengut zumindest toleriert wird, was in meinen Augen ein fataler Fehler ist.

Fussball ist ein Volkssport und in meinen Augen für jede/-n Zugänglich, egal in welcher Form er diesen Sport oder einen bestimmten Verein unterstützen möchte. Deshalb finde ich die entpolitisierung des Fussballs als eine völlig falsche Entwicklung, der es vehement entgegenzutreten gilt!

Ich danke dir für deine Mail.

Beste Grüsse

Beni

Mein Kommentar:
Ich kann die Haltung von Benjamin nachvollziehen. Ich denke aber, dass eine Entpolitisierung letztlich gar nicht möglich ist beim Fussball. Man muss sich immer mit politischen Dingen befassen.

Die Wiler Fanszene hat Leute in ihren Reihen, die sich für Politik interessieren und solche die sich eher nicht dafür interessieren. Es gibt solche die eher rechts stehen und solche die eher links stehen. In Wil gibt es (so glaube ich zumindest) keine Rechtsextremen im Stadion.

Samstag, 9. August 2014

Meine Top 11 Filme (August 2014)

1. Heat (1995)

Es ist genau das Gefühl das ich bei Filmen immer suche. Eine gewisse Intimität. Alle machen sich Sorgen auch die "Bösen". Sie müssen Prioritäten setzen. Soll ich abhauen, wenn es "heiss" wird oder kann ich es mir leisten, eine Beziehung aufzubauen? Und letztlich ist der Film auch einfach spannend.

2. When Harry Met Sally (1989)

Für mich die ultimative romantische Komödie. Die Erzählweise ist wirklich unvergleichlich über viele Jahre hinweg und über einige Umwege. Einfach super gut und nicht zu kitschig.

3. North By Northwest (1959)

Es macht wirklich Spass die USA in den 1950er-Jahren zu erkunden. Das Drehbuch ist sehr ausgeklügelt und spannend. Ausserdem sehr inkonische Szenen.

4. Back to the Future (1985)

Einfach sehr lustig. Eine Zeitreise stelle ich mir genau so vor, vielleicht ohne die Mutter. :-P

5. Dawn of the Dead (1978)

Meiner Meinung nach geht es bei Zombiefilmen, was oft missverstanden wird, nicht um Effekte oder Schockmomente, sondern um eine bedrohliche Athmosphäre und etwas Sozialkritik. Beides wird hier absolut perfekt gemacht. Alle anderen Zombie-Filme müssen sich daran messen und kommen nicht an ihn heran.

6. Star Wars V: The Empire Strikes Back (1980)

Star Wars. Muss ich noch mehr sagen?

7. Memento (2000)

Einfach genial geschrieben. Richtig schön komplex. Ich denke immer noch über den Film nach, obwohl ich ihn vor Jahren gesehen habe. Er bleibt auch ein bisschen rätselhaft.

8. Vertigo (1958)

Eigentlich wieder etwas ähnliches wie bei Dawn of the Dead. Diese Athmosphäre ist super!

9. Mou gaan dou (2002) Aka Internal Affairs

Wieder ein sehr cleverer Film. Wirklich tolle Ideen. Offensichtlich so gut, dass es ein amerikanisches Remake dazu gibt, nämlich "The Departed", ebenfalls sehr guter Film.

10. The Shawshank Redemption (1994)

Ich sehe Gefängnisse seit diesem Film mit anderen Augen. Das Leben in Gefängnissen kann so angenehm gemacht werden, wie man will, dennoch ist Freiheit etwas ganz besonderes und ein Gefängnisaufenthalt schon genug schlimm.

11. Kill Bill Vol. 1 (2003)

Wirklich ein "cooler" Film. Sehr unterhaltsame Kampfszenen, sehr übertriebene Gore-Effekte. Das Setting stimmt hier am besten von allen Tarantino-Filmen.

Samstag, 2. August 2014

Schächten und Antisemitismus

Abb. 1: Jüdische Weltverschwörung?; VgT-Nachrichten 1/1996, S. 11. (Online verfügbar)

In diesem Essay stütze ich mich zu grossen Teilen auf die Dissertation von Pascal Krauthammer "Das Schächtverbot in der Schweiz, 1854-2000: Die Schächtfrage zwischen Tierschutz, Politik und Fremdenfeindlichkeit". (Funfact: Diese Arbeit wollte übrigens Erwin Kessler verbieten lassen.)

Der traditionelle Tierschutz und seine Motive
Die traditionelle Tierschutzidee vertrat die These, dass Brutalität gegen nicht-menschliche Tiere nur deswegen zu verurteilen ist, weil es die Menschen abstumpfen gegenüber Menschen. Dieser Gedanke findet sich zum Beispiel bei Kant. Die Frage die man sich hier nun stellen kann, ist, ob zum Beispiel Metzger mehr Morde begehen. Ob das so ist, bezweifle ich, man könnte diese Frage aber untersuchen.

Es erstaunt daher nicht, dass der Tierschutz im 19. Jahrhundert sich stark auf das Schächten konzentrierte. Heute wissen wir zwar aus wissenschaftlichen Gutachten (so zum Beispiel von Prof. Dr. H. Spörri im Januar 1965), dass Schächten sich nicht von anderen Methoden wie zum Beispiel eine Schlachtung mit Bolzenschuss unterscheidet. Aber zugegeben: Eine koschere Schlachtung sieht extrem brutal aus und hat demensprechend eine klare Wirkung auf die Menschen.

Die Einordnung des Schächtens in den gesamten Umgang mit nichtmenschlichen Tieren
Es gibt Dinge, die wir nichtmenschlichen Tieren antun, die wesentlich schlimmer sind als Schächten. Während ein geschächtetes Tier für einige Sekunden leidet, kämpft ein Reh, welches gejagt wird während wesentlich längere Zeit um das Überleben. Wenn man sich unbedingt auf eine einzelne Sache konzentrieren will, dann sollte man sich auf diese Dinge (wie die Jagd) konzentrieren und nicht auf das Schächten. Ich stelle aber hier entschieden fest: Ich halte Schächten nicht für eine gute Sache, es soll aber nicht als einzelnes Phänomen angegriffen werden, sondern als eine von vielen Schlachtmethoden, welche alle abgeschafft gehören, meiner Meinung nach.

Antisemitismus fängt für mich dort an, wo für Juden andere Regeln gelten als für andere Leute. Wenn man sich mit - offensichtlich irrationalen Gründen - gegen das Schächten der Juden ausspricht und sich derart darauf konzentriert.

Das Beispiel Erwin Kessler und der VgT
Erwin Kessler, ein entschiedener Schächt-Gegner, ist mir ja ohnehin sehr suspekt. Pascal Krauthammer stellt in seiner Arbeit eine gute Übersicht über die antisemitischen Ausfälle von Kessler in seinen "VgT-Nachrichten" zusammen. So vermutet er die klischeehafte "jüdische Verschwörung" von Politik, Medien und Wissenschaft[1] um das "Schächten" zu bewahren. (Funfact: Kessler hat sich auch gegen die Antirassismus-Strafnorm gewehrt. Schliesslich wurde er auch 1998 nach dieser verurteilt.)

Ausserdem war ja Erwin Kessler bei der Nationalen Aktion Mitglied. Ebenfalls pflegt Kessler Kontakte mit Revisionisten. So schreibt der Journalist Hans Stutz:
 Seit mehreren Jahren hat Kessler auch eine symbiotische Beziehung mit der Schweizer Rechtsextremisten-Szene. Diese sieht in Kessler einen ihnen zumindest nahestehenden Zeitgenossen, andererseits unterstützte der Tierschützer zu wiederholten Malen neonazistische Exponenten. Besonders eifrig griff er für Jürgen Graf in die Tasten. Einerseits behauptet Kessler der flüchtige Holocaust-Leugner sei ein politisch Verfolgter, der "den Holocaust gar nicht" leugne, "sondern nur eine von der offiziellen Geschichtsschreibung abweichende Meinung über Einzelheiten" habe. (Quelle)
Das Problem aus meiner Sicht bei Kesslers Engagement ist nicht seine Gegnerschaft gegen das Schächten, obwohl sie irrational ist, weil sie nicht die schlimmste Praxis ist, die wir Tieren antun. Wirklich verabscheuend finde ich, dass Kessler antisemitische Klischees von der übelsten Sorte aufnimmt. Krauthammer schreibt darüber, dass Kessler klassische "Talmud-Verfälschungen" in der Tradition klassischer Antisemiten aufnimmt, nachdem er nach der Antirassismus-Strafnorm verurteilt wurde.[2]

Mein Fazit
Noch einmal: Es ist Kesslers Meinung zur vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung, die absolut falsch und antisemitisch ist. Ausserdem ist es für mich unverständlich, dass sich der VgT und Kessler derart auf das Schächten konzentrieren, während man überall Tiere ausbeutet. Es ist ein grundsätzliches Problem und das Schlachten (bzw. das Schächten als eine Methode dafür, die nicht schlimmer oder besser ist) ist nur eine Sache!

Es scheint mir manchmal, als dass alle anderen Arten der Tierausbeutung mit dem Engagement gegen Schächten ihren anderen Konsum von Tieren entschuldigen. Für mich aber ist klar: Veganismus ist das mindeste was wir machen müssen. Es bringt nichts das Phänomen "Schächten" als einzelnes Ereignis anzugreifen, sondern den Speziesimus (nämlich die Tiernutzung) von Grund auf!

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[1]: Krauthammer, S. 255.
[2]: Krauthammer, S. 262.

Montag, 14. Juli 2014

Tierrechtler und Antisemitismus: Der "Holocaust-Vergleich"

Der umstrittene Vergleich am 12.07.2014 in Bern (Quelle)

Gestern war ich an einer Tierrechtsdemo organisiert von "tier-im-fokus.ch". Jedenfalls waren unter der Masse an Plakaten, Schilder, Bannern und Singchören auch ein paar sehr verstörende Botschaften, wie das oben gezeigte Schild. Hier wird die Schoa mit der heutigen Tierhaltung nicht nur verglichen sondern auch gleichgesetzt.

Kurz zur Geschichte dieses Vergleichs. Die Tierrechtsorganisation Peta hat in den USA eine Kampagne gefahren, welche ein Bild eines ausgemergelten Jungen in einem KZ und zusammengepferchten Schweine zeigt. Diese Kampagne wollten die Verantwortlichen auch in Deutschland starten, sie wurde aber 2004 verboten. Diese Verbot wurde 2009  vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. 2012 bestätigt auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dieses Verbot. (Quelle)

In der Schweiz wird dieser Vergleich von Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken bemüht. Das schlimme daran ist, dass er trotz Kritik dabei bleibt, diesen Vergleich weiter zu gebrauchen. Kessler äussert sich auch äusserst negativ über sogenannte "Schächt-Juden". (Quelle) Seltsam wird es, wenn man sich überlegt, dass Kessler nachgesagt wird, dass er einmal bei der Nationalen Aktion Mitglied war, einer rechtsextremen Organisation.

Hat dieser Vergleich mit der Schoa vielleicht das Ziel die unbeschreibare Grausamkeit dieses Verbrechens einzuebnen? Noch spannender wird die Sache, wenn man an den instrumentalisierten Tierschutz in der NS-Zeit denkt. Man bemühte das antisemitische Klischee der jüdischen Medizin, die auf Tierversuche zurückgreifen muss und propagierte stattdessen Naturheilkunde und so weiter. So auch beim Schächten wurden die Juden als absolute "Tierhasser" dargestellt, während der "gute Deutsche" ein Tierfreund war.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Auch bekannte Tierethiker benutzen diesen Vergleich so schreibt Helmut F. Kaplan:
Die plumpste Form narkotisierender menschlicher Selbstüberlistung ist aber die Leugnung jener Grausamkeiten, die in diesem Augenblick in unserer unmittelbaren Umgebung stattfinden: in Versuchslabors, Schlachthäusern, Pelzfarmen usw. Denn was hier geschieht, entspricht exakt dem Holocaust der Nazis. Um dies zu erkennen, braucht man sich nur Berichte über Menschenversuche in KZs und Berichte über heutige Tierversuche anzuschauen. Dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Die Parallelen sind lückenlos, die Berichte sind austauschbar. Alles, was die Nazis den Juden angetan haben, praktizieren wir heute mit Tieren! (Quelle)
Kaplan (der auch schon ein Interview in einer rechtsradikalen Zeitschriften gegeben hat) zieht also nicht nur Parallelen, sondern setzt die Schoa und die heutige Praxis mit Tierversuchen komplett gleich. Das kann nicht sein! Es gibt historische Unterschiede dabei. Ebenfalls darf es nicht sein, dass die Schoa für welchen Zweck auch immer als politisches Schlagwort eingesetzt wird.

Ausserdem: Wir müssen doch auch pragmatisch sein. Bringt dieser Vergleich irgendetwas für unser Ziel als Tierrechtler? Ich denke nein, im Gegenteil dieser Vergleich schadet der ganzen Tierrechtsbewegung und gehört daher unterlassen. Gibt es denn keine anderen Möglichkeiten das Leid der nicht-menschlichen Tiere anzuprangern? Ich denke diese Möglichkeiten gibt es und die sollte man auch nutzen.

Literatur
Die Anti-Defamation League (eine jüdische Gruppe) über den Schoa-Vergleich: http://archive.adl.org/anti_semitism/holocaust_imagery.html
Abschnitt "Tier-Holocaust" im Wiki-Artikel "Holocaust (Begriff)": https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%28Begriff%29#Tier-Holocaust

Dienstag, 8. Juli 2014

Zum strukturellen Antisemitismus

Was ist "struktureller Antisemitismus"? Das ist eine Form des Antisemitismus, in der antisemitische Klischees (vgl. unten) aufgenommen werden, ohne das man explizit von Juden spricht.

Verschwörungstheoretiker (sie selbst nennen sich "Truther" oder "Infokrieger), distanzieren sich von Antisemitismus. Denn offensichtlich kommt es in der Öffentlichkeit nicht gut an, wenn man gegen Juden hetzt. Wenn man aber genauer hinschaut bemerkt man, dass aber genau die gleichen Klischees wieder aus dem Keller hervorgeholt werden. Man spricht nicht von Juden sondern benutzt Codewörter wie "Zionisten" oder die NWO.
  • SIE, die Elite, würde die Medien kontrollieren
  • SIE dezimieren die Menschheit in dem sie Wasser, Lebensmittel oder den Himmel etc. vergiften. (vgl. Abb. 1)
  • SIE kontrollieren die Weltpolitik für IHRE Zwecke
  • SIE benutzen das Zinssystem um die Menschheit zu versklaven
Die Sache wird auch extra schwammig formuliert. Hinter diesen Behauptungen stehen aber uralte Klischees die Juden teilweise seit Jahrhunderten nachgesagt werden.
  • Der "jüdische Kulturbolschewismus": Die Juden würden die Medien und andere Formen der Massenkommunkation zum Beispiel den Film kontrollieren und für ihre Zwecke einsetzen. (vgl. Abb. 3) Oft hört z.B. man in den Kreisen der Verschwörungstheoretiker, dass die "Massenmedien" nicht darüber berichten dürften was "wirklich" passiert ist.
  • Das Klischee der jüdischen Brunnenvergifter, dass es seit den Mittelalter gibt und es bis heute überlebt hat. So gab es klar antisemitische Impfkritik im Dritten Reich.
  • Das Klischee der jüdischen Weltverschwörung, da sie sich ja selber als "messianisches Volk" verstehen würden. Dieses Vorurteil lebt beispielsweise im heutigen Antiamerikanismus weiter.
  • Klischee vom jüdischen Wucherer, welches zum Beispiel mit den Verschwörungstheorien rund um die Familie Rothschild warmgehalten wird.
    In der NS-Zeit galt "der Deutsche" als der "schaffend", während "der Jude" als "raffend verstanden wurde. Diese Art der "Kapitalismuskritik" (die gar keine ist) gibt es heute auch noch. Aus marxistischer Sicht ist diese Kritik verkürzt. Denn nicht die Zinsaufnahme ist das Problem sondern das Verhältnis der Produktionsmittel. (vgl. gegen Ende dieses Videos von unten)
Bei ihren Behauptungen stützen sich einige auf die "Protokollen der Weisen von Zion", ein offensichtlich erdachtes [manche sagen, dass es sich um ein "gefälschtes", aber das Dokument ist nicht gefälscht, es gibt es schlichtweg nicht im "Original"] Dokument, was mehrfach belegt wurde. In den "Protokollen" geht es darum, wie sich die Juden überlegen wie sie die Weltherrschaft an sich reissen wollen.

Der strukturelle Antisemitismus ist m.E. mit dem "richtigen" Antisemitismus untrennbar verbunden.

Ein Klischee, welches bei der Israel-Diskussion immer wieder gebracht wird ist, dass Israel tausende pälestinensische Kinder auf dem Gewissen hatte. Auch hier wird gesagt, dass es nicht Juden sondern "Zionisten" (vgl. Abb. 2) seien. Wie dem auch sei. Ich stelle hier einfach einmal fest: Das Klischee der Kindermörder gab es bereits im Mittelalter über Juden. Man betitelt Bombadierungen im Gazastreifen gerne einmal als Völkermord.

Interessante Links:

Abbildungen:
Abb. 1.: Die Seite "Killuminati" über "sie" (Quelle)
Abb. 2: Ein "Killuminati"-Fan der die Chiffre "Zionist" benutzt. (Quelle)
Abb. 3: Ein "Killuminati"-Fan bemüht das Klischee der jüdischen Kontrolle über die Medien. (Quelle)
Abb. 4: Zinskritik auf "Killuminati" (Quelle)

Freitag, 4. Juli 2014

Mails ohne Antwort #1: SiVe FC Wil - "1312"-Banner von Chiasso


  
1312: Verbotene Zahlenkombination im Bergholz
Anbei findet ihr unverändert eine Mail, die ich an den Sicherheitsverantwortlichen des FC Wil geschickt habe. Ich habe bis heute keine Antwort bekommen.

Für alle die es nicht wissen: "1312" steht für "ACAB", was wiederum für "All Cops Are Bastards" steht. Dieses Kürzel auch in Zahlen ist verboten, wie auch Kritik gegen den Stadionsponsor IGP.

Betreff:  "1312"-Zaunfahne von Chiasso
Datum: Tue, 20 May 2014 08:56:08 +0200
Von: J.L.
An: sive(äät)fcwil.ch [Sicherheitsverantwortlicher FC Wil]

Guten Tag

Ich möchte mich beschweren wegen der "1312"-Zaunfahne, welche am letzten Samstag gegen Chiasso im Auswärtssektor hing. Mir ist bekannt, dass diese Zahlenkombination im Bergholzstadion verboten ist, da sie für das Akronym "ACAB" (All Cops Are Bastards) steht. Hinter diesem Verbot kann ich stehen, denn ich bin nicht der Meinung, dass eine grundsätzliche Polizeikritik angebracht ist.

Was mich hingegen ärgert ist die Tatsache, dass sich die Wiler Fans (zumindest bei Heimspielen) an dieses Verbot halten, hingegen die Fans von Chiasso ein solches Transparent zeigen dürfen. Umso stossender finde ich es, wenn die Fans vom FC Chiasso auch noch zwei Zaunfahnen über die Werbebande ("IGP") hängen und wenige Augenblicke später sehe ich, wie sie diese Fläche wieder freimachen. Vielleicht haben sie die Anweisung bekommen, dass sie Werbung nicht abdecken dürfen oder jemand ist tatsächlich in den Fanblock getreten und hat sie darauf hingewiesen. Hat der FC Wil die Fans vor oder während dem Spiel darauf hingewiesen oder ist das selbständig passiert?

Wie auch immer. Warum darf Chiasso eine solche Zahlenkombination ("1312") zeigen? Gelten für Heim- und Gästefans unterschiedliche Massstäbe?

Ich bin auf jeden Fall auf Ihre Antwort gespannt

Freundliche Grüsse
Johannes Leutenegger

Donnerstag, 3. Juli 2014

Bei Israel ist es wieder anders rum

(Sekundärer) Antisemitismus auf KenFMs FB-Seite

Es ist eine interessante Strategie die Antisemiten fahren, wenn es in Israel wieder zu Gewalttaten kommt. So auch vor kurzem, als der Tod von drei entführten israelischen Jungs in den Medien verbreitet wurden.

Schrecklich ist nicht nur das Ereignis selber, sondern auch die Kommentare von gewissen Leuten. So zum Beispiel auf der Facebook-Seite der Jüdischen Allgemeinen. Mittlerweile sind die schlimmsten Kommentare auf dieser Seite mehrheitlich gelöscht. Die Facebookseite Kartoffeln im Netz hat dann aber Screenshots von Kommentaren zum Beispiel auf  Gregor Gysis Facebookseite. Der Post von Gysi ist definitiv nicht antisemitisch, aber die Kommentare haben es in sich.

Inhalt war eigentlich immer der gleiche. "Tja, das war voraussehbar bei der Politik die Israel fährt." Manche Leute streuten auch noch eine hübsche Portion antisemitischer Klischees drüber. So schreibt einer: "Ein Skandal, der von der westlichen Welt unterstützt bzw. geduldet wird. Das Geld lässt grüssen ..." Ein anderer schreibt etwas über das antisemitische Vorurteil, dass Juden Kindermörder seien und fügt dann noch hinzu: "Langsam glaube ich Hitler hatte recht!" Aber natürlich ist man kein Antisemit, wenn man etwas gegen Israel hat, aber genau die gleichen Vorurteile weiter benützt. Jemand schreibt: "Den Israelis(nicht direkt den Juden!) trau ich alles zu!"

Bei KenFMs (Chef ist Ken Jebsen einem ehemaligen rbb-Journalisten, der wegen grob antisemitischer Äusserungen entlassen wurde) Facebook-Seite geht der "Spass" weiter.

"Das Vorgehen Israels erinnert an das Warschauer Ghetto. Israel geht mit den gleichen Methoden gegen die Besetzten vor, wie es einst die SS tat...." schreibt jemand. Man kann sich hier einige Fragen stellen. Gibt es keine andere Möglichkeit sich auszudrücken statt mit Nazi-Beispielen? Ich denke man kann definitiv der Meinung sein, dass die israelische Politik nicht gut ist, aber warum müssen genau Nazi-Vergleiche rausgeholt werden? Steckt da vielleicht mehr dahinter?

Ein anderer Kommentar: "Die dürfen sich benehmen wie sie wollen das kotzt mich an! Die denken die haben jetzt einen freifahrtschein für schlechtes behnehmen in dieser Welt.... nichts gelernt aus der Vergangenheit - namlich es besser zu machen. Bemitleidenswert" Hier wird eine deutliche Opfer-Täter-Umkehr vorgenommen. Die Vergangenheit werde dazu verwendet Profit zu schlagen. Die Juden sind plötzlich die Täter, die "anderen" knechten wollen mit der Erinnerung an die Schoa. 

Dieses Vorgehen kann man unter dem Phänomen "sekundärer Antisemitismus" zusammenfassen. Sekundärer Antisemitismus kann man in einem Satz sehr gut erklären. "Judenhass nicht trotz, sondern wegen Auschwitz." Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet einige gute Texte zum Antisemitismus so auch über das Phänomen sekundärer Antisemitismus. Das Interessante ist, dass auch hier von Antisemiten antisemitische Klischees gebraucht werden.