Samstag, 6. Juni 2015

Red Bull im Fussballgeschäft - Gute Sache oder Tod des Fussballs?

Im Jahr 2005 solidarisierte sich auch die Wiler Fanszene (hier in Wohlen) mit der SV Austria.
2005 übernahm die Getränkefirma Red Bull die SV Austria Salzburg. Damals hatten die Fans grosse Hoffnungen. Für uns in der Schweiz völlig unvorstellbar, hat Sponsoring im Fussball in Österreich eine ganz andere Dimension. Austria Salzburg hatte mehrfach Sponsornamen im Vereinsnamen:
  • 1973 bis 1976 SV Gerngroß A. Salzburg (Ein Kaufhaus)
  • 1976 bis 1978 SV Sparkasse Austria Salzburg (Eine Bank)
  • 1978 bis 1997 SV Casino Salzburg (Ein Casionobetreiber)
  • 1997 bis 2005 SV Wüstenrot Salzburg (Eine Versicherung)

Das Logo von 1978 bis 1997. Das "C" steht für den Namenssponsor "Casino Austria".
Wenn man bedenkt, dass sich zum Beispiel die Phase zwischen 1978 bis 1997 im Logo ausgedrückt hat, muss man sich wirklich fragen, was am Red Bull-Einstieg so besonders war.

Ist der Red Bull-Einstieg besonders?
Hier einige Dinge die 2005 geändert wurden:
  • Der Name wurde zu FC Red Bull Salzburg gewechselt.
  • Die Klubfarben wurden faktisch geändert in die Farben von Red Bull.
  • Das Logo des Vereins wurde faktisch durch das Markenzeichen von Red Bull ersetzt.
  • Der Verein wollte als Gründungsjahr 2005 angeben lassen, wollte also auf alle Erfolge in der Vergangenheit verzichten, das schaffte der Verein aber nicht. Mittlerweile verweist der Verein wieder auf seine Tradition.
  • Red Bull kontrolliert den Verein per Sonderrecht in der Satzung.
Setzen wir diese Dinge etwas in Relation. Das der Namen gewechselt wurde ist nichts besonderes meiner Meinung nach, hingegen die Farben des Vereins aufzugeben schon. Das das Logo effektiv durch das Logo der Marke ersetzt wurde ist eine neue Dimension, aber an sich auch nicht etwas völlig Neues. Die Sache mit dem Gründungsjahr und den Verzicht auf jegliche Tradition und so weiter, hat sich mittlerweile auch erledigt. Bleibt nur noch die mangelnden Mitsprachemöglichkeiten im Verein. Dieser Punkt muss meines Erachtens definitiv kritisiert werden.

RB Leipzig?
Bei RBL sind einige Dinge anders gelaufen. So ist kein namhafter Verein übernommen worden, sondern der Verein ist quasi aus dem Nichts entstanden. Bei RedBull Salzburg könnte man noch von einem Verein sprechen, weil er auch eine gewisse Zahl an Mitgliedern hat, während die Leipziger in den ersten fünf Jahren unter zehn Mitglieder hatten. Mittlerweile hat sich dieses Verhältnis gebessert, nur sind die Mitgliederbeiträge sehr, sehr hoch. Das Ausmass an Kritik an Red Bull hat ein neues Level erreicht seit RB in die 3. Liga kam. Viele Fans diverser Vereine haben sich an diesem Diskurs beteiligt, in dem sie sich eigentlich auf der anderen Seite befinden sollten. So zum Beispiel Fans des FC Ingolstadt (gegründet 2004 und Sponsor hauptsächlich Audi) oder die des TSG Hoffenheim (die vom SAP-Gründer Dietmar Hopp in die Bundesliga gehoben wurden). Diese Gruppen engagieren sich in der Nein-zu-RB Kampagne. Störend ist, dass Kritik von den Verantwortlichen wo immer möglich unterbunden wird. Beispielsweise im Stadion.

Ich glaube wir müssen kritisieren, dass Werbung zum Selbstzweck wird, wenn man einen solchen Verein hat. Alles, wirklich alles ist auf die Vermarktung ausgelegt ist. Wir dürfen aber die Selbstkritik nicht vergessen. Red Bull ist scheisse. Red Bull ist nicht den Fussball den ich will. Aber seien wir an dieser Stelle einmal ehrlich: Wenn wir RB kritisieren, dann müssen wir den Fussball als Ganzes kritisieren, wie er heute funktioniert. Auch bei unseren Vereinen wird der Verein durchkommerzialisiert. Stadionnamen werden verkauft und alles wird probiert um Fussball für die Konsumierenden auf den Couches attraktiver zu machen. In derart vielen Vereinen werden Vereine in AGs umgewandelt und die FussballanhängerInnen nicht in den Prozess miteinbezogen. Eine Möglichkeit sind die fangeführten Vereine wie die neugegründete SV Austria Salzburg, der FC United of Machester, der AFC Wimbledon oder der HFC Falke.
 
Für viele Vereine sind Ultras nur eine Möglichkeit den Verein zu vermarkten. Dagegen müssen wir und ich uns wehren! Wir dürfen beim Thema Red Bull keinen Double Standard aufbauen.

Weiterlesen zur Thematik
Dissidenti Ultra Düsseldorf: "Scheiss Bullen - Das Problem ist das System".
http://dissidenti-ultra.de/scheiss-bullen-das-problem-ist-das-system/

Pugnatores Ultras (FSV Frankfurt): "Auswärtspiel RB Leipzig".
http://ultra385.de/?p=1374

Supporters Club Düsseldorf: "Früher galten Kunst oder Yachten als Statussymbol - heute Fußballspieler und ganze Vereine".
http://www1.scd2003.de/index.php?id=42&tx_news_pi1[news]=56&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&cHash=ae175f677a7b54ed7155e81079efbeaf

Vice Sports: "'Stellt sie an die Wand'——Wie sich die Kritik an RB Leipzig der Nazi-Rhetorik bedient".
https://sports.vice.com/de_de/article/stellt-sie-an-die-wandwie-sich-die-kritik-an-rb-leipzig-der-nazi-rhetorik-bedient

Matthias Kiessling (Die Zeit): "Red Bull ist nicht das Problem."
http://www.zeit.de/sport/2015-04/rb-leipzig-profifussball-wettbewerb

Alex Feuerherdts Interview mit Nico Neubert von den sog. "Ultras Red Bull" (Gruppe ist Satire): "Für den modernen Fusssball".
http://jungle-world.com/artikel/2010/34/41620.html

"Ultras Red Bull Leipzig": "Ultra-Manifest der URBL".
https://ultrasrbl.wordpress.com/2010/07/11/%e2%80%9eultra-manifest%e2%80%9c-der-urbl/


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