Mittwoch, 13. August 2014

"Fragwürdiger politischer Ansatz": Mails zu Politik und die Wiler Fans

Das besagte Spiel (von FB-Seite "Schweizer Kurvenkultur")

Es geht hier um einen Artikel auf dem Groundhopping-Blog "Fusseck", vom Spiel Wohlen gegen Wil. So schreibt der Autor über die Wiler Fanszene:
Auch Wil brachte einige Supporter mit, namentlich die “Sektion K.O.M.A”, die ich bereits in Winterthur erleben durfte. Ein paar Hanseln, die aufgrund der eigenen Position kaum bis gar nicht zu vernehmen waren. Auf dem Weg aus dem Stadion traf ich noch einige der Sektion auf dem Parkplatz. Naja, menschlich wohl eher die stumpfsinnigere Sorte mit fragwürdigem politischen Ansatz (keine Politik, und so…), wobei ich nichts unterstellen will, was ich nicht weiss. Allerdings gibt es Probs für das Tifo-Material der Wiler, welches wohl zu den schöneren in der Challenge-League zu zählen ist und auch das ganze Spiel über oft im Einsatz war. Desweiteren existiert die Gruppe bereits seit 2005, was für eine Gruppierung eines Vereins wie dem FC Wil in meinen Augen beachtlich ist.
Ich entschloss mich daher spontan eine Mail zu schreiben, worauf ich auch eine Antwort erhielt.

Meine Mail:
Hallo Benjamin,

Es geht um den Blogartikel zum Spiel Wohlen gegen Wil. Ich schreibe Dir, nicht um mich zu beschweren, sondern eher ein paar Sachen richtig zu stellen.
 Zuerst einmal möchte ich Dich für Deine grundsätzliche Einstellung zu Homophobie, Sexismus und Rassismus loben. Ich teile diese Überzeugungen und muss gleichzeitig zugeben, dass diese Überzeugungen nicht von allen in der Wiler Fanszene (zumindest nicht in diesem Ausmass) geteilt wird.

Ich ärgere mich aber daran, dass du die Wiler Fanszene mit der Sektion Koma gleichsetzt. Nichts Grundsätzliches gegen die SK05, aber ich finde man sollte erwähnen, dass die Wiler Fans noch mehr Fangruppierungen haben, die auch anwesend waren.

Bei der besagten Szene auf dem Parkplatz war ich auch dabei. Du musst auch verstehen, dass man nach ein paar Bierchen, unglaublicher Hitze und einer unangenehmen Niederlage nicht mehr über tiefgründige Diskussionen über  Philosophie oder den letzten Themenabend bei Arte. Ich bin jedenfalls sicher menschlich sicherlich nicht stumpfsinnig oder ähnliches.

Ich arbeite selber an einem Blog (www.johleut.blogspot.ch) und möchte daher fragen, ob ich allfällige Korrespondenz (vielleicht auch nur auszugsweise) veröffentlichen könnte.

Falls Du noch Fragen oder ähnliches hast, schreib mir einfach. Ich bin Dir nicht böse oder so. Unter uns gesagt hat Wil auch ein bisschen ein Problem mit Rassismus und Homophobie, aber eben...

Gruss, Johannes

Die Antwort:
Sali Johannes

 Erst einmal finde ich super, dass du mir aufgrund des Artikels schreibst und dass du derart vehement abstreitest, dass die Wiler Fanszene von diskriminierendem Gedankengut durchzogen ist zeigt mir, dass es eben nicht so ist.

Du hast natürlich Recht und mit meinem Artikel wollte ich bei weitem nicht die gesamte Fanszene des FC Wil verunglimpfen. Ich habe lediglich geschildert, was mir anhand dessen, was ich gesehen habe, aufgefallen ist. Und ich schreibe ja auch davon, dass es beim FC Wohlen leider nicht anders ist. Wie du sicher weisst bin ich deutscher und in Deutschland mit vielen Fanszenen in Kontakt, die sich alle gegen Diskriminierung jeglicher Art positioniert haben und dies auch offen im Stadion äussern und diese Denkweise auch verinnerlicht haben. Leider habe ich in der Schweiz bisher völlig andere Erfahrungen gemacht. Zwar gibt es hier keinen extremen Rechtsdrall, allerdings sind rassistische, aber vor allem sexistische und homophobe Äusserungen in den hiesigen Stadien absolut "normal" und salonfähig. Das stösst mir übel auf, nicht nur beim FC Wohlen, wo ich dem in Zukunft vehement entgegenarbeiten werde. Mein Ziel ist es auch mittelfristig verschiedene Fanszenen im Kampf gegen Diskriminierung an einen Tisch zu bringen und so eine Art Netzwerk aufzubauen.

Bitte entschuldige nochmals, wenn es im Artikel so rüber kommt, als wäre er auf alle Fans des FC Wil bezogen. Dem ist nicht so. Vielmehr bezieht er sich auf das, was ich auch von der Internetseite der Sektion K.O.M.A. weiss, auf der sich die Gruppe gegen Politik im Stadion ausspricht. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass auch "rechtes" Gedankengut zumindest toleriert wird, was in meinen Augen ein fataler Fehler ist.

Fussball ist ein Volkssport und in meinen Augen für jede/-n Zugänglich, egal in welcher Form er diesen Sport oder einen bestimmten Verein unterstützen möchte. Deshalb finde ich die entpolitisierung des Fussballs als eine völlig falsche Entwicklung, der es vehement entgegenzutreten gilt!

Ich danke dir für deine Mail.

Beste Grüsse

Beni

Mein Kommentar:
Ich kann die Haltung von Benjamin nachvollziehen. Ich denke aber, dass eine Entpolitisierung letztlich gar nicht möglich ist beim Fussball. Man muss sich immer mit politischen Dingen befassen.

Die Wiler Fanszene hat Leute in ihren Reihen, die sich für Politik interessieren und solche die sich eher nicht dafür interessieren. Es gibt solche die eher rechts stehen und solche die eher links stehen. In Wil gibt es (so glaube ich zumindest) keine Rechtsextremen im Stadion.
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