Donnerstag, 3. Juli 2014

Bei Israel ist es wieder anders rum

(Sekundärer) Antisemitismus auf KenFMs FB-Seite

Es ist eine interessante Strategie die Antisemiten fahren, wenn es in Israel wieder zu Gewalttaten kommt. So auch vor kurzem, als der Tod von drei entführten israelischen Jungs in den Medien verbreitet wurden.

Schrecklich ist nicht nur das Ereignis selber, sondern auch die Kommentare von gewissen Leuten. So zum Beispiel auf der Facebook-Seite der Jüdischen Allgemeinen. Mittlerweile sind die schlimmsten Kommentare auf dieser Seite mehrheitlich gelöscht. Die Facebookseite Kartoffeln im Netz hat dann aber Screenshots von Kommentaren zum Beispiel auf  Gregor Gysis Facebookseite. Der Post von Gysi ist definitiv nicht antisemitisch, aber die Kommentare haben es in sich.

Inhalt war eigentlich immer der gleiche. "Tja, das war voraussehbar bei der Politik die Israel fährt." Manche Leute streuten auch noch eine hübsche Portion antisemitischer Klischees drüber. So schreibt einer: "Ein Skandal, der von der westlichen Welt unterstützt bzw. geduldet wird. Das Geld lässt grüssen ..." Ein anderer schreibt etwas über das antisemitische Vorurteil, dass Juden Kindermörder seien und fügt dann noch hinzu: "Langsam glaube ich Hitler hatte recht!" Aber natürlich ist man kein Antisemit, wenn man etwas gegen Israel hat, aber genau die gleichen Vorurteile weiter benützt. Jemand schreibt: "Den Israelis(nicht direkt den Juden!) trau ich alles zu!"

Bei KenFMs (Chef ist Ken Jebsen einem ehemaligen rbb-Journalisten, der wegen grob antisemitischer Äusserungen entlassen wurde) Facebook-Seite geht der "Spass" weiter.

"Das Vorgehen Israels erinnert an das Warschauer Ghetto. Israel geht mit den gleichen Methoden gegen die Besetzten vor, wie es einst die SS tat...." schreibt jemand. Man kann sich hier einige Fragen stellen. Gibt es keine andere Möglichkeit sich auszudrücken statt mit Nazi-Beispielen? Ich denke man kann definitiv der Meinung sein, dass die israelische Politik nicht gut ist, aber warum müssen genau Nazi-Vergleiche rausgeholt werden? Steckt da vielleicht mehr dahinter?

Ein anderer Kommentar: "Die dürfen sich benehmen wie sie wollen das kotzt mich an! Die denken die haben jetzt einen freifahrtschein für schlechtes behnehmen in dieser Welt.... nichts gelernt aus der Vergangenheit - namlich es besser zu machen. Bemitleidenswert" Hier wird eine deutliche Opfer-Täter-Umkehr vorgenommen. Die Vergangenheit werde dazu verwendet Profit zu schlagen. Die Juden sind plötzlich die Täter, die "anderen" knechten wollen mit der Erinnerung an die Schoa. 

Dieses Vorgehen kann man unter dem Phänomen "sekundärer Antisemitismus" zusammenfassen. Sekundärer Antisemitismus kann man in einem Satz sehr gut erklären. "Judenhass nicht trotz, sondern wegen Auschwitz." Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet einige gute Texte zum Antisemitismus so auch über das Phänomen sekundärer Antisemitismus. Das Interessante ist, dass auch hier von Antisemiten antisemitische Klischees gebraucht werden.
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