Mittwoch, 8. Januar 2014

Rezension: Mark Rowlands: „Animal Rights – Moral Theory and Practice“

Mark Rowlands ist momentan Professor für Philosophie an der Universität Miami. Er hat zu den Tierrechten auch noch ein anderes Buch geschrieben (das ich vielleicht auch einmal rezensieren werde) nämlich „Animals Like Us“.
Das Buch beginnt einer allgemeinen Einleitung zum Thema Tierrechte und wo die Probleme liegen, die Philosophen wie Peter Singer und ein bisschen später Tom Regan versucht haben zu lösen. Rowlands spricht aber auch schon John Rawls „A Theory of Justice” an, der definitiv nichts mit Tierrechten zu tun hat.
Darauf folgen je ein Kapitel zu Singer und Regans Ansätzen. Rowlands erklärt, warum er damit nicht zufrieden ist. Dem Utilitarismus (Singer) wirft er vor, dass er zu absurden Schlüssen kommen kann, wie zum Beispiel, dass Gladiatorenkämpfe unter gewissen Umständen in Ordnung sind.
Tom Regan wirft er vor, dass seine ganze Konstruktion mit dem inhärenten Wert von nicht-menschlichen Tieren, zu kompliziert, fehleranfällig und letztlich auch unnötig sei, wie seine eigene Theorie beweisen könne.
Dann folgt noch eine Abhandlung über die Tugendethik. Hier ist schon von Anfang an klar, dass Rowlands damit nicht einverstanden ist.
Darauf folgt dann das eigentlich entscheidende Kapitel. Rowlands postuliert einen „neo-Rawlsian“ Ansatz, stützt sich also stark auf John Rawls ab.
John Rawls Theorie beinhaltet eine Original Position, in der man nicht weiss, wie talentiert, intelligent man ist oder welchem Geschlecht und Rasse man angehört. Kurz um: Alles wofür ich nichts getan habe, wird ausgeblendet. Wie würde ich mir eine Gesellschaft vorstellen? Die Antwort von Rawls: Fair.
Rowlands nimmt das alles auch an. Alle sollten gewisse Grundrechte bekommen. Nur, etwas weiss man in der Original Position: Man ist rational. Und hier setzt die Kritik von Rowlands ein. Warum soll ich wissen, dass ich über Rationalität verfüge? Kann ich etwas dafür, dass ich rational geboren wurde? Hängt Rationalität letztlich nicht auch mit der Intelligenz zusammen?
Man kann aber nun nicht einfach die Original Position anpassen und dann ist alles wieder normal. Das Problem das hier auftaucht, ist viel tiefer. Rowlands schreibt, dass Rawls überzeugt ist, dass er mit seiner Theorie nur eine aufstellt „für Menschen von Menschen“. Die Vertragspartner in diesem hypothetischen Vertrag sind gleichzeitig die einzigen Rezipienten dieser Rechte, die dadurch verteilt werden. Rowlands möchte einen Vertrag, der weiter geht. Von wo die Moral kommt, heisst nicht, dass dies auch der Anwendungsrahmen sein muss. Rawls versuche eigentlich mit der Original Position als heuristic device, die Moral aufzudecken, in einer kantischen Tradition. Gleichzeitig vermische er aber seine kontraktualistische Theorie viel zu stark mit der von Tradition von Hobbes, findet Rowlands. Gemäss Hobbes gibt es kein objektiv richtig und falsch in der Moral. Der hypothetische Vertrag legt das erst fest. Logischerweise sind dann auch nur rationale Akteure dazu berechtigt, die Rechte wahrzunehmen.
Salopp gesagt: Nicht-rationale Akteure, d.h. nicht-rationale Menschen und nicht-rationale und nicht-menschliche Tiere schauen in die Röhre. Rowlands möchte diesen Wesen auch Grundrechte zusprechen. Sein Fazit im Kapitel lautet unter anderem, dass wir eine moralische Pflicht zum Vegetarismus haben.
Das Buch schliesst mit einem Exkurs in die Philosophie des Geistes. Rowlands hält fest, dass es nicht eindeutig ist, ob Tiere einen Geist haben. Letztlich gibt es aber bessere Argumente dafür. Denn schlussendlich wissen wir ja bei anderen Menschen auch nicht mit absoluter Gewissheit, dass sie über einen Geist verfügen.
Wie Marc Bekoff in einem Artikel[1] schrieb: „Giving animals the benefit of the doubt”. Wir sollten nicht-menschlichen Tieren ebenfalls die Vorteile des Zweifels gewähren.
Animal Rights: Moral Theory and Practice
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