Sonntag, 21. April 2013

"Growing Kids God's Way"

Als ich diesen Artikel ("Körperstrafe in Gottes Namen? Evangelikale Erziehung in der Kritk [sic!]") auf SRF.ch gelesen habe, staunte ich eigentlich nicht. Es gibt einige schwarze Schafe im evangelikalen Bereich, aber, das hat die Studie gezeigt, es gibt auch liberale Kurse und Bücher.
An dieser Stelle sei einmal auf die Studie (PDF) der InfoSekta verwiesen. 2010 wurde von der Süddeutschen Zeitung ein Skandal angestossen, bei der genau solche Erziehungsratgeber angeschaut und kritisiert wurden. Ich persönlich finde witzig, dass ich wieder auf einen "alten Bekannten" treffe, nämlich das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, dass wir schon an anderen Stellen zu Killerspielen und Polemik bei Free-To-Play-Spielen, wie zum Beispiel League of Legends, oder auch  bei der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche bei den Missbrauchsfällen und der anschliessenden Trennung der beiden Partner.
Aber darum geht es hier ja eigentlich gar nicht.
Ich habe mir eine Methode rausgepickt, die im Artikel von SRF.ch (siehe oben) harsch kritisiert wird. Nämlich die Methode von "Ezzo und Ezzo", wie sie die Studie nennt.
Die Seite "Childwise.de", die im deutschsprachigen Raum die Bücher und Materialien vermarktet, schreibt beispielsweise:
Das Wort „Childwise“ ist eine Eigenkreation der Eheleute Ezzo und kann in keinem Lexikon gefunden werden. „Childwise“ meint, dass Eltern versuchen, ihre Kinder zu verstehen und von ihnen zu lernen beginnen. Ausgehend von diesem Ansatz kann Erziehung mit Einsicht, Weisheit und Perspektive gelingen
Das tönt doch schon einmal gut. Aber auf den Homepages der "Bewegung", findet man eigentlich nichts Konkretes. Daher werfe ich noch einmal einen Blick auf die Studie.
Die Studie ordnet die "Ezzo und Ezzo"-Methode der "dogmatisch-machtorientierten Verständnis" zu. Das impliziert.
Die mit dem dogmatisch-machtorientierten Verständnis einhergehende Weltsicht ist sehr geschlossen. Im Zentrum stehen letzte durch Bezug auf eine höhere Autorität legitimierte Prinzipien, die als Begründungenfür das vertretene Erziehungsverständnis herangezogen werden. Beim dogmatisch-machtorientierten Verständnis geht es aber weniger um diese letzten (biblischen) Prinzipien selbst. Im Vordergrund steht die Unterwerfung unter die höchste Autorität. Im Erziehungsleitbild zeigt sich die Geschlossenheit der Weltsicht darin, dass das Kind ausschliesslich aus der Fremdperspektive wahrgenommen wird. (S. 27/28)
Weiter vorne heisst es konkret zu "Ezzo und Ezzo":
 In den USA findet seit Jahren eine heftige Debatte über die Schädlichkeit der von den Autoren Gary und Anne Marie Ezzo vertriebenen Ratgeber und Programme statt. Ihre Firma Growing Families International hat auch im deutschsprachigen Raum Fuss gefasst. Der Ratgeber Kindererziehung nach Gottes Plan (2006) steht ebenfalls für den Züchtigungsansatz, er findet in verschiedenen evangelikalen Gemeinschaften Anwendung. Der Ratgeber ist gleichzeitig Kursgrundlage und entsprechend aufgebaut. Der stark verbreitete Ratgeber zur Babypflege von Ezzo und Bucknam (2011) Schlaf gut mein kleiner Schatz! wendet sich (auch) an eine weltliche Leserschaft. (S. 24)
Aussage gegen Aussage, was soll ich nun über die Methode denken? Im SRF-Artikel heisst es:
In seinem Kurs werde die Körperstrafe nicht propagiert. «Wir reden über sie, lassen aber den Teilnehmern alle Türen offen. Jeder muss dies selber entscheiden und verantworten.» Und schon steht man mitten drin in der schwierigsten Frage aller Eltern: Wie erzieht man richtig? Wie bringt man seinen Kindern die Werte bei, die man für unverzichtbar hält, ohne dabei die kindlichen Rechte zu verletzen und ohne unzulässigen Druck oder gar Gewalt anzuwenden?
Ich glaube, da kommen wir auf den Punkt. Ist man ethisch plötzlich raus, wenn man "die Tür offen lässt"? Ich sage ganz entschieden: nein!  Dieser Relativismus à la "jeder muss selbst wissen" kotzt mich richtig an. Lebewesen Schmerzen zuzufügen ist schlecht und zwar grundsätzlich. Es gibt keine Entschuldigung dafür, wenn man Kinder schlägt. Als Kursleiter muss man alles tun, was man kann um so etwas zu verhindern.
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